Angespielt – A Game of Thrones

Game of Thrones (GoT), das Spiel zur Buchreihe von GRR Martin und zur gleichnamigen HBO-Serie, ist ein klassischer „Taktikbrecher“. Mehrere Stunden lang belauern sich die Spieler in den Rollen der großen Adelshäuser von Westeros, sie heben Armeen aus, bekämpfen sich, erobern Burgen, schmieden Bündnisse und brechen diese wieder, um ihren ehemaligen Freunden in den Rücken zu fallen…

Alleine von der Dauer her ist das natürlich nichts für Gelegenheitsspieler, sondern für Vielspieler und Hobbystrategen, und solchen Gestalten ist es auch erfreulich einfach nahe zu bringen, weil die Regeln dann doch nicht sooo kompliziert sind (da gibt es wesentlich schlimmere Kandidaten auf dem Markt der Strategiespiele).

Spielbrett und Material, Bild von https://boardgamegeek.com/boardgame/103343/game-thrones-board-game-second-edition

Gespielt wird in mehreren Runden, bis ein Spieler sechs Burgen unter seiner Kontrolle hat.

Die Züge erfolgen für alle Spieler gleichzeitig, man hat also relativ wenig Wartezeiten und ist ständig beteiligt.

In der Planungsphase werden allen Armeen Befehle erteilt, dazu legen die Spieler verdeckte Marker neben ihre Spielsteine. Diese werden zu Beginn der Aktionsphase gleichzeitig aufgedeckt, und in einer gewissen Reihenfolge abgearbeitet. Die Planungsphase will wohlüberlegt sein und nimmt daher die meiste Zeit in Anspruch, denn man wird in GoT sehr schnell sehr hart bestraft, wenn man die falschen Befehle erteilt hat (etwa einen Marschbefehl statt einem Verteidigungsbefehl auf eine Armee, die selbst angegriffen wird).

Zwischendurch gibt es immer wieder Auktionen, in denen gewisse Spielvorteile versteigert werden (die Zugreihenfolge, Zugriff auf mächtigere Befehle, ein Bonus in der Schlacht usw).

GoT ist größtenteils* von Glück oder Zufall befreit, es wird nicht gewürfelt, sondern abgezählt, wer bessere Befehle, bessere Adlige, mehr Armeen und unterstützende Länder zusammenbringt. Diese Planbarkeit und Abzählbarkeit ist es, was das Spiel in unserer Spielegruppe so beliebt gemacht hat.

*: Ein paar Glücksmomente gibt es natürlich schon. Es gibt zum Beispiel zufällige Ereigniskarten, die die Balance ordentlich kippen können, je nachdem, in welcher Reihenfolge sie gezogen werden. Und die zweite Edition beinhaltet (optionale!) Karten, die in Kämpfen als Würfelersatz dienen, falls die Spieler doch etwas mehr Zufall wollen.

Unten links die Befehlsmarker, dazu allerlei anderer Krempel, wie es bei FFG eben üblich ist, wird an der Materialmenge kaum gespart. Die ganze Spielkiste ist voll mit Markern, Spielsteinen, Miniaturen und anderem Gerümpel.

Bild von https://boardgamegeek.com/boardgame/103343/game-thrones-board-game-second-edition

Prinzipiell finde ich das Spiel großartig, ich habe nur kleinere Kritikpunkte.

  • Zum einen die Fässer: Auf einigen Ländern sind Fässer abgedruckt, und ihre Anzahl bestimmt, wie groß die Armeen sein dürfen. Es gibt aber keinen direkten Kontrollmechanismus, die Spieler müssen das selbst permanent im Auge behalten. Dadurch kam es – zumindest bei uns – öfter mal zu Situationen, in denen Spieler (unwissentlich und leider unumkehrbar) mit größeren Armeen herumgeritten sind, als sie eigentlich hätten haben dürfen.
  • Die Entscheidungen sind nicht so richtig frei, die Spieler müssen gewisse Aufgaben übernehmen. Zum Beispiel könnte der Greyjoy-Spieler zu Beginn wunderbar über die Lannisters herfallen, weil er am Anfang einfach stärker ist als diese und in ihrer direkten Nachbarschaft wohnt. Aber wenn er das tut, macht er sich zum „Königsmacher“ für das Haus Stark im Norden, das dann ungebremst sechs Burgen einnehmen wird. Für eine ausgeglichene Partie ist der Greyjoy-Spieler fast gezwungen, den Starks auf die Füße zu treten und ihre Armeen und Ressourcen wenigstens teilweise im Norden zu binden.
  • Die Karte ist fest, die Startpositionen sind fest, die Adelshäuser haben feste Karten mit ihren Helden darauf. Die einzelnen Spiele ähneln sich dadurch natürlich. Das Spiel wird nicht unbedingt eintönig, aber unbegrenzten Wiederspielwert hat es für mich nicht.

Bei BGG steht das Spiel auf einer soliden 7.8/10, diese Wertung ist meiner Meinung nach durchaus angemessen.

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5 Gedanken zu “Angespielt – A Game of Thrones

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