Brettspieltag im Brave New World

Heute war mal wieder der allmonatliche Brettspieltag in meinem Lieblingsladen in Köln, und ich hatte die Gelegenheit, in gemütlicher Atmosphäre ein paar neue Spiele auszuprobieren. Ich habe es immerhin auf fünf Titel gebracht.

Und ausnahmsweise sind die Bilder auch von mir, und nicht von BGG. 😉


Kashgar

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https://boardgamegeek.com/boardgame/143175/kashgar-handler-der-seidenstrasse

In Kashgar treten die Spieler als Händler auf der Seidenstraße gegeneinander an. Kashgar ist eine Mischung aus Deckbuilding und Resourcenmanagement und dabei – wie üblich im Genre – nicht allzu interaktiv.

Jeder Spieler hat drei Karawanen, in die er nach und nach immer mehr Karten einreihen kann. Ein Zug besteht daraus, die vorderste Karte einer der drei Karawanen auszuwählen (meine sind auf dem Bild noch leer), ihre Aktion auszuführen, und die Karte nach hinten zu räumen.

Diese Aktionen erlauben es, Rohstoffe aufzustocken (links unten sieht man die Rohstoffleiste), neue Karten zu ziehen, Karten zu entsorgen, oder Aufträge auszuführen, die Resourcen kosten, aber Siegespunkte bringen… und vieles mehr.

Ich persönlich fand das ganze eher lahm, was aber nicht heißen soll, dass das ein schlechtes Spiel ist. Mir gefällt, dass man quasi drei Kartendecks hat statt nur einem, und auch die Karten waren allesamt interessant gemacht.

Aber nichts desto trotz, man spielt das halt so runter, und wegen der mangelnden Interaktion fühlte ich mich jetzt nicht unbedingt leidenschaftlich involviert. Ich hab das Deckbuilder-Genre nach Jahren des Dominionspielens einfach ein bisschen satt.


Lost Legacy

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https://boardgamegeek.com/boardgame/142039/lost-legacy

Man sagte mir, es ist ungefähr dasselbe wie Love Letter, das ich aber auch nur vom Namen her kannte.

Ziel des Spiels ist es, die „Lost Legacy“ (ein Raumschiff?) zu finden. Jeder Spieler hält eine Karte, und zieht in jeder Runde eine weitere dazu. Dann spielt er eine der beiden aus, was je nach Karte andere Auswirkungen hat. Es gibt Karten, mit denen man Mitspielern in die Karten schielen kann, mit denen man Karten nachzieht und mehr Auswahl hat, welche, die Mitspieler umbringen, und so weiter.

Am Ende muss man herausfinden, wo die „Lost Legacy“-Karte ist. Hat sie ein Mitspieler auf den Händen? Liegt sie im „Ruinen“-Ablagestapel?

Eine Runde dauert nur ungefähr fünf Minuten, und das Spiel beinhaltet zwei verschiedene Kartensets, die man auch untereinander mischen kann, so dass ein gewisser Wiederspielwert gegeben ist.

Ganz interessantes Spiel für zwischendurch, ich tendiere eher zu einer positiven Bewertung.

Wobei mir schon gesagt wurde, dass ich eher Love Letter kaufen sollte als das. Das Thema ist eh egal, bei der geringen Spielzeit „taucht man kaum in eine Welt ein“.


Winziges Weltall

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Um Himmels willen, ist mein Foto schlecht. 😉

https://boardgamegeek.com/boardgame/163967/tiny-epic-galaxies

Ein Spiel der Leisten. Alles, wirklich alles wird auf Leisten festgehalten. Wer sowas nicht mag, und es soll diese Leute geben, Finger weg!

Hier gilt es, Planeten zu kolonialisieren, das bringt Siegespunkte. Dazu würfelt man vier oder – im Laufe des Spiels – immer mehr Würfel, die einen mit Optionen versorgen. Energie Tanken, Raumschiffe starten, die Kolonialisierung eines Planeten vorantreiben, die eigene Technologieleiste ausbauen, usw. Besonders interessant ist dabei die Resource „Kultur“, mit der man das, was die Mitspieler erwürfeln, nachmachen kann.

Das Spiel hat ein paar sehr clevere Mechanismen, um mit sehr wenig Spielmaterial relativ viel Spieltiefe zu erzeugen.

I like. 🙂


Cha Dango

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https://boardgamegeek.com/boardgame/181694/cha-dango

Cha Dango ist ein japanisches Reaktionsspiel.

In der Mitte liegen Karten aus, von denen man sich nach gewissen Regeln welche mopsen darf – im Idealfall, bevor die anderen sie wegschnappen.

Das funktioniert ungefähr so:

Die Karten unterscheiden sich in a) Hintergrund, b) Figur, c) Farbe der Figur, mit jeweils ungefähr 5 Variationen.

Es wird eine neue Karte aufgedeckt, die vorgibt, was man mopsen darf, aber… die Rückseite des Nachziehstapels sagt, worauf man schauen muss, a), b) oder c).

Wenn ein lila Hund mit grünem Hintergrund aufgedeckt wird, darf man also entweder nach lila Figuren, Hunden oder grünem Hintergrund greifen, je nachdem, was die Kartenrückseite vorgibt.

Passt keine Karte ins Beuteschema, muss man sich seine „Teetasse“ an den Mund halten, wer das als letzter tut, muss eine seiner Karten wieder in die Mitte werfen.

Wer am Ende den dicksten Stapel hat, hat gewonnen.

Lustiges Spiel, aber leider vermutlich gar nicht in Deutschland erhältlich.


Bis dahin waren das alles Essen-Beutestücke anderer Spielenerds. Im Nachhinein bin ich ganz foh, meinen Geldbeutel unter Kontrolle behalten zu haben, Kashgar zum Beispiel stand eigentlich auf meiner Einkaufsliste.

Die „normalen“ Brettspieler waren nun bedient, und es gab nur noch „Fantasynerds“, also musste ich wohl oder übel das Brettspiel zu „the Witcher“ spielen, oder…


Descent (2te Edition)

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https://boardgamegeek.com/boardgame/104162/descent-journeys-dark-second-edition

Meine Fresse, hab ich das Spiel gehasst!

Das liegt aber nicht am Spiel an sich, sondern am Szenario, das der Mensch ausgesucht hatte, dem das Spiel gehörte:

Ich hatte den langsamen, aber starken Zwerg gezogen. Das Spielfeld führte in Schlangenlinien um einen Fluß herum, und bei der ersten Überquerung stellte sich heraus, dass man jeweils einen Stärketest ablegen muss, um nicht fortgespült zu werden. Das „Fortgespült werden“ war aber 100% hilfreich, weil wir eine Kolonne von Bösewichtern einholen mussten, die eine Prinzessin auf einem Altar opfern wollten oder so, und der Fluß mehr oder weniger eine reine Abkürzung war. Blöderweise ist der Zwerg nicht nur so stark, dass er 90% seiner Stärketests besteht, also sich nicht wegspülen lassen kann, sondern auch noch langsamer als der Rest. Und so stark gepanzert, dass der Spieler, der die Monster kontrolliert, gar nicht wirklich auf mir rumhauen wollte.

Also zog er alle Monster aus meiner Nähe ab und jagte meine schwächlichen Elfen- und Magierkollegen. So verbrachte ich meine Züge damit, die Schlangenlinien abzulatschen (rote Pfeile: mein Weg), während die Monster vor mir weg und hinter meinen Mitspielern herliefen (die sich alle treiben ließen, blaue Pfeile).

Selbst wenn ich mal Monster in meiner Nähe hatte, war das einzig sinnvolle, an ihnen vorbeizulaufen, um noch irgendwie die Entführer der Prinzessin und meine Mitspieler einzuholen, die eigentlich dringend einen gepanzerten Nahkampfspezialisten gebraucht hätten.

Der Waschmaschine beim Schleudern zuschauen ist spannender. Ich bin zwischendurch aufgestanden und habe zwei, drei Züge ausgesetzt, soll mich halt irgendwer sonst 6-7 Felder vorwärts schieben. 😉

Ich bin prinzipiell kein großer Freund des Genres. Ich komme weder aus der Rollenspielecke, noch kann ich mit dem Spielprinzip was anfangen: Felder abzählen und hin und wieder ein paar Würfel werfen, die mit Glück wird ein Monster entfernen, das reicht mir nicht, und wie viele andere Kooperationsspiele krankt auch Descent daran, dass im Prinzip der lauteste Spieler alleine spielt, und die anderen würfeln nur für ihn.

Daher maße ich mir kein echtes Urteil an, schon gar nicht nach diesem Testspiel.

Soweit ich es verstanden habe, ist Descent einer der besten Dungeoncrawler überhaupt, mit einem tollen Kampagnensystem, das vielen, vielen Leuten eine Menge Freunde bereitet und eine große Fangemeinde hat. Das wird schon seine Gründe haben.

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Ein Gedanke zu “Brettspieltag im Brave New World

  1. Kashgar ist für mich irgednwie Dominion Light und das mochte ich wegen seines Solo-Maschinenoptimierens nie wirklich. Ich bevorzuge da doch eher Trains, das eine interaktivere Komponente ins Spiel bringt.

    Lost Legacy ist eigenlich LL in Space. Und LL ist irgendwie besser.

    TEG muss ich mir mal anschaffen… ich mochte schon TEK. Kein perfektes Spiel, aber durch die schnelle Spielzeit fällt das fast gar nicht ins Gewicht.

    Cha Dango ist nett, aber haptisch spricht mich da Geistesblitz doch mehr an.

    Witcher ist eine Enttäuschung, da hätte man mehr draus machen können, ebenso Might&Magic.

    Descent ist mit einer der guten Crawler, aber ich bevorzuge da das taktischere Imperial Assault. Fürs Kloppen im Dungeon muss dann eher Super Dungeon Explore herhalten.

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