Angespielt – Nations: The Dice Game

nations

Nations: the dice game (Rustan Håkansson, Asmodee 2014, Link zu BGG) ist der kleine Bruder von Nations, so wie das ältere Zeichen der kleine Bruder von Arkham/Eldritch Horror ist: der zentrale Mechanismus wurde zwecks leichterer Zugänglichkeit und schnellerem Spiel durch dice building ersetzt, wir fangen mit 5 schwächlichen weissen Würfeln an und bekommen nach und nach mehr und stärkere bunte Würfel. Das heißt aber natürlich auch, dass Strategie zumindest teilweise durch Glück ersetzt wurde.

Das ganze dauert ungefähr eine Stunde, es sei denn, die Spieler erkennen frühzeitig, dass ihre Möglichkeiten ohnehin begrenzt sind, und hören auf zu grübeln, dann geht es etwas schneller. 😉


Wie funktioniert es?

Jeder von uns erhält eine generische Zivilisation, bei mir sind das oben auf dem Bild die Römer, aber das ist prinzipiell egal, die unterscheiden sich nicht. Die Karten mit der Spielzugsübersicht regeln auch die Zugreihenfolge, ich bin also auf dem Foto gerade als dritter dran, aber das ändert sich hin und wieder.

Wir spielen vier Zeitalter, was in erster Linie bedeutet, dass viermal verschiedenene Plättchen ausliegen, die wir kaufen und auf unser Board legen können. Diese Plättchen liefern meist eines der folgenden:

  • Wiederholungswürfe
  • diese kleinen runden Marker (die zählen wie ein zusätzlicher fester Würfel)
  • Siegpunkte
  • neue Würfel

Wir spielen reihum immer eine Aktion, bis die Spieler handlungsunfähig sind und nach und nach „passen“, dann folgt eine kurze Wertung, und dann das nächste Zeitalter.

Die verschiedenen Aktionen sind:

  • Einen Wiederholungswurfmarker ausgeben, um beliebig viele unbenutzte Würfel neu zu werfen
  • Würfel mit Schwert- oder Goldsymbolen ausgeben, um ein Plättchen aus der Mitte zu kaufen/erobern
  • Würfel mit Steinen ausgeben, um ein gekauftes Wunder zu bauen (Siegpunkte)

Ausgeben heißt hier, die Würfel oder Marker für dieses Zeitalter beiseite zu legen, im nächsten stehen sie aber wieder zur Verfügung.

Wir verbraten in einer Art Kauf- und Bauphase also Schwerter, Gold und Steine. Außerdem gibt es auf den Würfeln noch Nahrung und Kultur, die wir aber erst in der Wertungsphase brauchen können und die man sich daher im Idealfall aufspart.


Wie spielt sich das?

Es funktioniert prinzipiell, und alles greift sinnvoll ineinander. Nations: the dice game ist bis zum Ende durchdacht, sicher ausgiebigst getestet und an allen Stellschrauben optimiert worden. Wir hatten alle stets vergleichbar viele Siegpunkte, also scheint jedes Wurfergebnis und jede Herangehensweise fair zu funktionieren, wie zum Beispiel auch in Burgen von Burgund . Aber macht das Spiel auch Spaß?

Zunächst fällt auf, dass die Zugreihenfolge lästig wichtig ist, weil die Spieler sich attraktive Plättchen vor der Nase wegschnappen können. Und die attraktivsten Plättchen sind meistens die, mit denen man die weissen Würfel gegen bunte eintauschen kann, weil da mehr Symbole drauf sind, mehr Gold, mehr Schwerter… Außerdem werden die zufällig auf die Auslage verteilten Plättchen (oben auf dem Foto in der Mitte) von rechts nach links teurer, es kann also gut sein, dass der Erste sich ein Plättchen für ein Gold schnappt, der nächste muss für das gleiche dann schon 2 Gold zahlen. Das sorgt eher für Frustration als für Glücksgefühle.

Dazu kam immer mehr das Gefühl auf, dass ich durch meine Wurfergebebnisse und die verbleibende Auslage gespielt werde, ich treffe keine echten Entscheidungen, sondern immer die naheliegendste:

Habe ich Gold und Schwerter gewürfelt, grabsche ich nach dem billigsten und attraktivsten verfügbaren Plättchen, im Regelfall sind das die, mit denen man mehr und bessere Würfel bekommt.

Habe ich unpassend gewürfelt, würfle ich neu, setze dafür aber quasi eine Runde aus, in der Hoffnung, dass ich nun an Gold und Schwerter komme und die Mitspieler nicht in der Zwischenzeit die Auslage leerkaufen.

Irgendwann muss ich dann passen, und wenn die Würfel mir hold waren, sacke ich noch ein paar Bonuspunkte für verbliebene Schwerter, Kultur und Nahrung ein.

…und am Ende gewinnt halt irgendwer.

Für ein „Spiel mit überschaubarem Inhalt“ ist es eine ziemliche Materialschlacht. Haufenweise Plättchen, Würfel, Marker, die sortiert und verwaltet werden wollen. Bei mir entstand der Eindruck, dass der Designer hier „mit Kanonen auf Spatzen geschossen“ hat. Und ich fühlte mich ständig an Tiny Epic Galaxies erinnert, auch ein Spiel, in dem man Würfel mit verschiedenen Symbolen für den Aufbau des Privatimperiums verballert, aber gefühlt mit wesentlich mehr Spieltiefe und Innovation, bei wesentlich weniger Regeln, Platz- und Materialverbrauch.


Mein Eindruck

Ein „Hmmm“.

Ich fand es nicht unbedingt schlecht, es hat mich aber auch nicht vom Hocker gerissen.

In Punkten würde ich es ungefähr bei 6/10 einordnen, ein funktionierendes Spiel, das für mich aber keinen allzu großen Anreiz bietet.

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