Angespielt – Dynasties

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Bildquelle: BGG

In Dynasties betreten drei bis fünf adlige Familien das Parkett eines mittelalterlichen Hochzeitsmarkts. Wähle deine Partner mit Geschick, und verteile deine Familie möglichst gewinnbringend über Europa.


Wie funktioniert das?

Jeder von uns bekommt einen Haufen Figuren, die nach und nach auf den Spielplan wandern. Dort gibt es in jeder Stadt zwei Plätze, einen für den Mann, einen für die Frau. Treffen sich zwei Figuren in einer Stadt, so werden sie verheiratet: Der liegende Partner wirft drei Mitgiftwürfel und bildet daraus zwei Angebote, der stehende sucht sich eines davon aus. Bevor die Altherrenwitze ausgekramt werden: der liegende Partner ist mitnichten immer die Frau, sondern die günstiger bezahlte Figur.

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Bildquelle: BGG

Ähnlich beim Warenangebot (Holzklötze): Wer sich zuerst neben ein Schiff mit fünf Rohstoffen stellt, beansprucht die Auswahl, wer sich dazugesellt, teilt den Kuchen und bekommt die verschmähte Hälfte.

So viel zum Grundprinzip, weiter mit dem Ablauf. Wir spielen drei große Runden, die jeweils aus drei Phasen bestehen: Erst dürfen wir reihum ungefähr fünf Aktionskarten ausspielen, dann in einer Zwischenphase an der Spielerreihenfolge rumfummeln und kleinere Bonusaktionen einstreichen, dann regnet es Siegpunkte. Die letzte Wertung fällt etwas üppiger aus, es werden zusätzliche Punkte für area control in den vier Ländern ausgeschüttet, und dann gewinnt – wie üblich – derjenige mit den meisten Siegpunkten.

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Blau sind die Aktionskarten, gelb und grün die Zielkarten. Bildquelle: BGG

Die Aktionskarten sagen uns, was mir überhaupt machen können, da sind oben Symbole drauf, die Standardaktionen erlauben: das Einsetzen von Figuren als Mann oder Frau, die Hilfe von Persönlichkeiten suchen, oder sich neben das Warenangebot stellen. Untendrunter finden wir in der Regel eine Spezialaktion. Die ist eingeschränkter, aber wenn sie mal passt, ist sie dafür billiger oder stärker.

Zielkarten verschenken Siegpunkte, wenn man sie erfüllt. Sowas wie Bist du in London und Leipzig, erhältst du zehn Punkte, oder Sei derjenige mit den meisten blauen Klötzchen, dann kriegst du sieben Punkte.


Wie fühlt sich das an?

Zunächst einmal sei darauf hingewiesen, dass Dynasties gewisse Einstiegshürden hat. Das oben beschriebene Grundgerüst ist zwar nicht allzu kompliziert, aber was noch dazu kommt, ist recht kleinteilig, es gibt haufenweise Krams, der erklärt und verstanden werden will: Acht verschiedene Persönlichkeiten und ihre eigenen Spezialaktionen. Die Spezialaktionen der Aktionskarten. Was wann und wie gewertet wird. Die verschiedenen Zielkarten. Die Städte auf dem Plan mit ihren kleineren Regeln: offene oder verdeckte Bonuspunkte und Wertungsmodifikatoren, Bonuswaren und –aktionen. In der Zwischenphase kommt neben der Ermittlung des Startspielers nochmal eine Reihe Sonderaktionen dazu, darunter neutrale Hochzeitspartner, neue Städte, neue Wertungen… Das alles funktioniert zwar ähnlich, aber eben nicht gleich. Die Erklärung zieht sich dadurch ein gutes Stückchen hin.

Dazu kommt, dass das Spiel textfrei sein möchte. Bis auf die Städtenamen ist alles über eine Symbolsprache gereget, die aber leider nicht immer die eingängigste ist, um nicht zu sagen: vermurkst. Insbesondere auf den Karten ärgerte mich das. Platzfressende Illustrationen sind eh nicht drauf, dann schreibt doch einfach hin, was die Karte macht! Ständig musste jemand in die Anleitung schielen, was gerade beim häufig auftretenden ziehe drei Zielkarten, behalte eine davon den Spielfluss gehörig ins Stocken brachte. Es kostet eigentlich schon mehr als genug Zeit, diese Karten zu bewerten. Und dann noch das.

Aber egal, kommen wir zum Spielgefühl.

Dynasties nimmt den Spieler ein wenig an die Hand. Statt vor einem freien, aber unüberschaubaren „Siegpunkte- und Aktionensalat“ zu stehen, werde ich ein wenig geführt. Meine Zielkarten geben die Richtung vor, und die Aktionskarten schränken den Weg ein. Meine Aufgabe ist es nun, diese beiden losen Enden zu verknüpfen. Dazu gibt es meist mehrere Wege, die ich abwägen muss, und alles kriegt man auch nicht hin. Ich finde dieses Element sehr gelungen.

Schön ist auch die viele Interaktion. Nicht nur drängeln wir uns um die Städte und Mehrheiten, obendrauf wird ständig geheiratet, und dann spielen wir dieses kleine „teile den Kuchen“ Spiel. Das macht Spaß und fühlt sich gut an.

Es ist nur manchmal ein bisschen verwirrend, was da an Aktionsketten losgetreten wird: Spieler A gesellt sich zu B. Zuerst bekommt A das, was die Stadt an Belohnung verspricht. Oh, eine Bonusaktion, Moment mal. Er stellt sich zu Spieler C, teilt die Waren, C sucht aus. Dann muss Spieler B die Hochzeitswürfel werfen und sortieren, A sucht aus und verwaltet seine Punkte. Spieler B erhält eine Bonusaktion, die ihm ebenfalls erlaubt, sich neben die Waren zu stellen. Da steht schon Spieler D, dadurch müssen diese Waren von B aufgeteilt werden, und D sucht aus… Fragende Gesichter sind vorprogrammiert: Wessen Zug war das nochmal? Wer ist jetzt dran? Hä?

Und wir spielen natürlich mit einer fetten Glückskomponente, die – siehe die Kommentare auf BGG – wohl dem einen oder anderen gehörig auf den Senkel geht. Sie tritt neben den zufällig gezogenen Karten vor allem beim Heiraten auf: Warum werden immer dann die hohen Siegpunkte gewürfelt, wenn ich selbst nicht auswählen darf? Ja, die Varianz ist da etwas hoch, aber ich habe mich daran eigentlich nicht gestört. Das Würfeln lockert die Optimiererei etwas auf und sorgt für Emotionen. Ich bin aber auch eh nicht so der verbissene Gewinnmensch.

Ärgerlicher fand ich persönlich einen kleinen „Königsmachereffekt“: Einige Spieler hatten sichtliche Probleme damit, Waren und Hochzeitswürfel in halbwegs faire Haufen zu teilen. Was natürlich den auswählenden Spieler frohlocken und die nicht beteiligten Spieler genervt aufstöhnen ließ. Du gibst die Punkte UND die Wertungskarte her? Bist du bescheuert? Da weiß ich aber nicht so recht, ob ich das dem Spiel zum Vorwurf machen kann. 😉


Wertung

Dynasties ist vielleicht ein wenig sperriger, als es sein müsste. Und vielleicht sind ein paar Spielelemente nicht so geschliffen, wie sie es sein könnten. Aber das sind Details, der positive Anteil überwiegt. Das Thema und die Grundidee I split, you choose tragen über die gesamte Partie, die kleinen Aufgaben der Zielkarten machen Spaß, und die Interaktion ist großartig. Gerne wieder, gerne öfter. In Punkten wären das etwa 7-8/10.

 

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2 Gedanken zu “Angespielt – Dynasties

  1. Hallo,

    die angesprochene Verwirrung dürfte aufgrund eines Fehlers aufgetreten sein, denn diese Situation kann so nicht auftreten. Wenn man in eine Stadt einsetzt, die bereits besetzt ist, wird die Hochzeit sofort abgewickelt und erst danach kann das Buchplättchen mit dem Handel gespielt werden. Die Plättchen können nur vor oder nach einer Aktion eingesetzt werden.

    Viele Grüße,
    Andreas.

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