Angespielt – Der Sheriff von Nottingham

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Bild von BGG

Drei Hühner. – Wirklich? Drei Hühner? Das sieht mir nicht nach Hühnern aus… – Doch, selbstverständlich, das sind nur harmlose Hühner, nie würde ich es wagen, den Sheriff zu belügen. – Ich könnte diesen Beutel jetzt öffnen, und wenn ich etwas anderes vorfinde als Hühner, dann… – Ich könnte euer Hochwohlgeboren eine kleine Kompensation anbieten, diesen Beutel vielleicht nicht zu öffnen… – Ich bin ganz Ohr…

Der Sheriff von Nottingham ist ein famoses Schmuggel- und Bluffspiel, in dem wir die Rolle von Gestalten der Robin Hood Legende einnehmen und diverse legale oder illegale Handelswaren in die Stadt schmuggeln wollen, aber reihum übernimmt stets ein Spieler die Rolle des Sheriffs und überprüft argwöhnisch unsere Beutel voller Waren.


Wie funktioniert das?

Die Regeln selbst sind sehr simpel.

Zunächst stellen wir „normalen“ Spieler unter einfachen Regeln eine Kartenhand zusammen: Nachziehen, Karten gegen verdeckte oder offene Karten von den Ablagestapeln tauschen. Der Sheriff schaut schon jetzt argwöhnisch zu, allzu viel erfährt er nicht, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Dann stopfen wir eine bis fünf dieser Waren in unsere Beutel und deklarieren die Ware. Erlaubt sind eigentlich nur die  Handelswaren Äpfel, Brot, Käse und Hühner, und auch nur jeweils eine Art. Also sagen wir sowas wie 4 Käse, bis auf die Zahl muss das aber nicht stimmen, wir können auch verschiedene legale Waren mischen oder siegpunktträchtige illegale rote Warenkarten dazupacken. Aber wehe, wir werden dabei erwischt.

Denn der Sheriff hat nun die Wahl. Er kann einen Beutel einfach durchwinken, das macht ihm aber natürlich am wenigsten Spaß. Oder er kann ihn öffnen und nachsehen, und findet er Schmuggelware, werden Strafgebühren fällig und die falschen Güter werden auf den Ablagestapel konfisziert. Findet er die richtigen Waren, muss er aber seinerseits Strafe zahlen. Die dritte Option ist, sich bestechen zu lassen. Hier ist mehr oder weniger alles erlaubt. Man kann Geld bieten, in vorigen Runden gesammelte Waren, einen Teil des Beutelinhalts, was auch immer. Man kann sogar Geld bieten, damit der Sheriff den Beutel eines anderen Spielers öffnet.

Dass der Sheriff selbst Strafe an einfache Händler zahlt, statt sie in Stücke hauen zu lassen, und dass er sich bindend an Absprachen hält, statt erst die Bestechung zu kassieren und dann dennoch in den Beutel zu grabschen, ist zwar etwas zu nett für einen echten Schurken, macht fürs Spiel aber natürlich Sinn.

Die Sheriffrolle wechselt reihum Runde für Runde, und wenn jeder ein paar mal dran war, kommt die Endabrechnung. Da gibt es dann nochmal – gar nicht wenige –  Extrapunkte fürs Sammeln von Sets, die meisten Äpfel, den zweitmeisten Käse, Geld bringt Punkte,und so weiter.


Wie spielt sich das?

Grandios.

Ich habe noch kein Spiel erlebt, in dem die Spieler in kürzerer Zeit ins Rollenspiel verfallen wären, betteln, drohen, hämisch lachen, wüst schimpfen…

Ich habe dreizehn Kinder zu füttern. Ich bin ein ehrlicher Geschäftsmann! Bitte! Seht nicht in den Beutel! Das ist doch nur Käse! – Das riecht mir aber gar nicht nach Käse… Das einzige, was hier stinkt, ist deine Lügengeschichte! Her mit dem Beutel, du Wurm!

Obgleich sehr simpel und immer das gleiche, es fühlt sich überhaupt nicht so an.

Jemandem offen ins Gesicht zu lügen, die Angst, ertappt zu werden, das macht einfach Spaß und sorgt für große Gefühle. Eigentlich bin ich weder begeisterter Rollenspieler noch mag ich es, wenn ein Spiel mir sagt, dass ich mich genau jetzt lustig verhalten soll, aber hier ist das was anderes, das geschieht einfach von alleine.

Das Ende des Spiels kam überraschend schnell, selten verflog eine Stunde so fix.

Ich habe sehr, sehr wenig zu bemängeln, nur diese drei Punkte:

  • Die Endwertung ist ein bisschen umständlich und sehr viel Rechnerei, wobei es dafür wohl eine extra App zum Download auf der Verlagshomepage gibt.
  • Langweiliges, zu 100% risikofreies Handeln wirkt siegpunktetechnisch ein bisschen zu gewinnbringend. Vor allem kombiniert mit dem perfiden Ansatz, einen legalen Beutel abzuliefern und den Sheriff mit gespielter Sorge und viel zu niedrigen Bestechungsangeboten dazu zu bringen, den Inhalt nachzuprüfen, so dass man auch noch Strafzahlungen erhält.
  • Die Qualität der Beutel. Das laute Knacken des Plastikverschlusses soll eine Art Höhepunkt der Runde sein, das ist ja auch prinzipiell nicht falsch… Aber wir haben direkt im ersten Spiel gleich zwei davon kaputt gekriegt. Hoffentlich ersetzt Asmodee das anstandslos.

Wertung

Ein emotionales Highlight, und daher eine uneingeschränkte Empfehlung. Der Sheriff von Nottingham ist ein Spiel-Spiel, das macht einfach nur Spaß. In meiner persönlichen Skala  9-10/10, das steht auf dem Einkaufszettel und wird definitiv noch öfter rausgeholt.


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Ein Gedanke zu “Angespielt – Der Sheriff von Nottingham

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