Angespielt – Kerala

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Bildquelle: Kosmos Verlag

Kerala ist ein abstraktes Legespiel, 2015 beim Kosmos Verlag erschienen. Die Jahreszahl schreibe ich dazu, weil die Aufmachung es ein paar Jahrhunderte älter aussehen lässt, es wirkt ein bisschen antiquiert, wie vom Ethno-Flohmarkt oder aus dem Fair Trade Laden.


Wie geht das?

Wir fangen mit einem einzelnen Plättchen an, auf dem unsere zwei Holzelefanten sitzen. Denen bauen wir keinen geheimen Friedhof, sondern einen Tanzplatz, und zwar so:

  • Der reihum wechselnde Startspieler zieht Plättchen in Spieleranzahl aus einem Beutel, jeder wählt eines aus. Wer gerade hinten sitzt, muss halt nehmen, was übrig bleibt.
  • Dann verbauen wir die Plättchen, sie  dürfen nur orthogonal neben einen der beiden Holzelefanten gelegt werden. Der zieht dann auf das neue Feld, und so verändern sich stetig unsere Bauoptionen.

Insgesamt bauen wir ungefähr zwanzig Plättchen aneinander, das „ungefähr“ will heißen: Es sind 100 in der Schachtel, aber es werden zu Beginn so viele aussortiert, dass jeder gleich oft Startspieler ist. Dabei sind wir natürlich angehalten, möglichst viele Siegpunkte abzustauben und Minuspunkte zu vermeiden:

  • Am Ende sollten wir wenigstens ein Plättchen aller fünf Farben haben.
  • Wir streben für die einzelnen Farben zusammenhängende Gebiete an.
  • Elefantensymbole auf den Plättchen bringen Siegpunkte.
  • Sonderplättchen lassen uns nachträglich aufräumen, also Elefanten oder Plättchen umstellen.

Zweimal im Spiel dürfen wir passen, wenn die Auswahl so gar nicht zur Position der Elefanten passt. Dann legen wir einen unserer Elefanten auf die Seite, was aber auch wieder Minuspunkte einbringt.


Wie spielt sich das?

Das Spiel zerfällt grob in zwei immer wiederkehrende Phasen, die aus dem ziemlich brachialen Startspielervorteil resultieren: Bin ich erster oder zweiter bei der Plättchenwahl, bin ich relativ frei und kann mir meistens etwas hübsches aussuchen. Sitze ich weiter hinten, muss ich nehmen, was übrigbleibt. Wer hier nicht aufpasst oder gierig darauf gesetzt hat, auch als letzter sicher ein passendes Plättchen abzubekommen, kommt schnell in Teufels Küche.

Glück hilft natürlich auch ein bisschen, es passiert zum Beispiel hin und wieder, dass jemand vier annähernd gleiche Plättchen aus dem Beutel zieht und damit seine Vorteilsposition nicht nutzen kann. Oder dass eine Farbe ein paar Runden auf sich warten lässt. Oder dass man alle Plättchen auf jeden Fall anlegen könnte und sich daher entspannt zurücklehnen kann. Oder dass das halt gar nicht geht.

Aktive Interaktion gibt es nur bedingt. In passiver Form wird einem natürlich immer wieder ein passendes Plättchen weggeschnappt, aber es kam dann doch eher selten vor, dass ein Spieler zum Nachbarn schauen und seine Wahl alleine davon abhängig machen konnte, wie er ihn am besten ärgern kann. Dafür sind die eigenen Punkte zu wichtig.

Es lässt sich aber zumindest bedingt darauf hinarbeiten, dass man seine Elefanten für die Züge, in denen man hinten sitzt, in gute Positionen manövriert, so dass man möglichst viele Plättchenfarben sinnvoll anbauen kann. Und dass man generell nicht allzu sehr von der zufälligen Plättchenauslage abhängig ist. Und das ist dann wohl die Kunst des Kerala.


Fazit

Mit seinem hochwertigem Material und seiner hübschen, aber auch etwas untypischen Optik hat Kerala einen gewissen Aufforderungscharakter (das ist eines dieser typischen Rezensionswörter, die immer wieder eingestreut werden müssen). Das Spielprinzip erscheint nicht wahnsinnig neu, aber es funktioniert tadellos und trägt über die kurze Spieldauer hinweg.

Ich weiß nicht, ob ich es unbedingt in meine Sammlung aufnehmen muss, aber ich bin weiteren Partien definitiv nicht abgeneigt. Das Spiel ist schnell erklärt, die Aufgabe ist hinreichend reizvoll (noch so ein Standardwort), dabei aber auch nicht überfordernd… und es tut sicher keinem weh.

Wer eine Zahl sehen will: irgendwo in der Mitte, leicht positiv… 7/10 hört sich fair an.

 

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