Angespielt – Kune v Lakia

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Bildquelle: LudiCreations

Wer hätte ahnen können, dass sich niedliche Häschen einen derartig hässlichen Scheidungskrieg liefern können? In auffallendem Kontrast zu den kinderbuchartigen Illustrationen spielt sich Kune v Lakia als knüppelhartes Duellspiel: Der Prinz und die Prinzessin liefern sich eine erbitterte Schlammschlacht, sie beklauen, betrügen und verleumden sich und kämpfen um die vormals gemeinsamen Besitztümer und die Gunst ihrer Verwandtschaft.

κουνέλι – Kounelaki oder so ähnlich – heißt übrigens Kaninchen auf griechisch. Daher wohl der Titel, aber ich halte ihn dennoch nicht für allzu verkaufsfördernd. 😉


Wie funktioniert das?

Kune v Lakia ist kartengetrieben, und im weitesten Sinne ein Deckbuilder. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres spielen wir ohne den Kreislauf Nachziehstapel, Handkarten und Ablagestapel, sondern nehmen zu Beginn jedes Durchgangs alle unsere Karten auf die Hand, und spielen dann so lange abwechselnd Aktionen, bis wir nichts mehr erreichen können und passen müssen. Dann geht es von vorne los, nur mit noch mehr Karten.

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Bildquelle: BGG

Zwischen den beiden Akteuren liegen die fünf Mitglieder der Königsfamilie, die wir zu unseren Gunsten manipulieren können. Sie bestehen aus je zwei Karten, also vier Kartenseiten in verschiedenen Farben:

  • Weiße Hasen sind neutral und gewähren keine Aktion
  • Rote Hasen folgen Lakia und gewähren ihr eine Aktion
  • Blaue Hasen folgen Kune und gewähren ihm eine Aktion
  • Lila Hasen sind neutral und gewähren dem Spieler eine Aktion, der sie zuerst mit Karotten bewirft

Der Unterschied zwischen weiß und lila: zu Spielbeginn sind die Adligen weiß, später wird der neutrale Zustand durch die lila Karte mit Aktion dargestellt.

Neben den Adligen liegt jeweils ein Kartenstapel, und wer einen Hasen beeinflusst (influence), erhält als Belohnung die oberste dieser Karten auf seinen Ablagestapel und kann sie im nächsten Durchgang nutzen. Jede Karte bringt ihrem Besitzer dabei erstmal Siegpunkte, einfach so. Außerdem findet sich darauf ein ganzer Haufen kleingedruckter Informationen, die bei einer oder mehreren der nachfolgenden Aktionen eine Rolle spielen.

  • Plot: Diese Karten spielt man einfach so aus, ohne sie bezahlen zu müssen. Die ärgern meistens den Mitspieler und variieren erheblich in ihrer Stärke. Klaue Karten, zwinge ihn zum abwerfen, bunkere Karten für Siegpunkte und so weiter.
  • Influence: Um den Status eines Adligen zu verändern, muss man drei vorgegebene Symbole bezahlen, dann dreht man sie eine Stufe zu seinen Gunsten, etwa blau -> lila oder lila -> rot für Lakia. Es gibt reihenweise Karten, die diesen Prozess verbilligen oder beschleunigen, man muss also selten drei Karten dafür bezahlen.
  • Counsel: Lege eine Karotte auf einen Adligen, der dir wohlgesonnen oder zumindest neutral ist, und nutze seine Aktion.
  • (Store): Als Nebenprodukt anderer Aktionen kann man immer mal wieder eine Karte retten, sie liegt von nun an unter Kune oder Lakia. Das bringt noch mehr Punkte und ist vor allen Angriffen geschützt, aber die Karte ist eben auch aus dem Spiel.

Das Spiel endet, wenn drei der fünf Adligen keine Kartenstapel mehr neben sich liegen haben, dann werden ausführlichst Punkte vergeben: Für die Startspielerkarte, für jede Karte im Besitz, egal wo sie liegt, dazu Bonuspunkte für „gestorete“ Karten, für blaue oder rote Adlige mit oder ohne Karotte darauf und mit unterschiedlichem Wert für beide Spieler, für lila Adlige, falls man passende Karten hält… Ja, wirklich. Die meinen das ernst.


Wie spielt sich das?

Chaotisch, unfair und gemein. Wie eine Scheidung eben ablaufen muss.

Kune und Lakia liefern sich einen gar herrlichen Kampf, man haut sich die Karten buchstäblich um die Hasenohren, es ist ein stetes hin und her, mal hat die eine Seite die Oberhand, mal die andere. Dabei ärgert man sich, wie unfair die Karten verteilt sind, die Schläge der Gegenseite sind stets viel zu stark und unter der Gürtellinie, während man selbst doch mit leisen, sanften Schritten den Kompromiss sucht… nicht. 😉

Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass das Spiel allzu ausgewogen oder glücksunabhängig ist, zu unterschiedlich ist die Güte der Karten. Außerdem sind sie teils asymmetrisch formuliert, es kann also leicht passieren, dass Kune Karten auf der Hand hat, die nur Lakia etwas bringen würden, oder umgekehrt. Und manche Karten erlauben auch richtig eklige Kombinationen: Schlag in die Magengrube. Noch ein Schlag ins Gesicht, und die Karte von vorher nochmal aufheben. Noch ein Schlag in die Magengrube. Natürlich vorausgesetzt, man hält beide Karten. Wenn nicht, dann halt nicht.

Aber ich glaube, Balance ist hier auch nicht so wichtig. Will ich einen fairen Deckbuilder spielen, greife ich zu Dominion. Was hier zählt, ist das Spielgefühl, und das ist auf jeden Fall gegeben.

Dass man zu Beginn jedes Durchgangs eine absurd hohe Anzahl an Karten mit verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten pro Karte hält, wirkt erstmal ungewohnt bis falsch, und ich nehme an, es könnte den ein oder anderen Spieler überfordern. Aber auch hier sehe ich das nicht so eng, denn so viele Karten gibt es nun auch nicht, nach ein paar Partien hat man die vermutlich alle im Kopf, und die Entscheidungen fallen dann etwas schneller. Außerdem sind Karten mit unterschiedlichen Einsatzgebieten generell eine tolle Sache.

Das einzige, was mir wirklich albern erscheint, ist die ausufernde Punktewertung am Ende. Hier wäre meiner Meinung nach weniger mehr gewesen. Und die Kartentexte hätten vielleicht eine Nummer größer ausfallen können, das ist schon recht fitzelig zu lesen. Das Layout an sich ist sehr hübsch, aber eben nicht unbedingt praktikabel.


Wertung

Ich war auf der Suche nach einem hübschen kleinen Duellspiel mit haufenweise Interaktion und Boshaftigkeiten, weil sowas in meiner Sammlung untervertreten ist und ich beim Spielen zu zweit immer wieder zu friedlicheren Titeln greifen musste. Oder zu Spielen, die zu zweit unterbesetzt sind.

Kune v Lakia passt genau ins Beuteschema. Es hat zwar meiner Meinung nach eine ganze Reihe von Schwächen, aber die fallen für mich nicht so recht ins Gewicht.

Mir taugt es gar herrlich, aber eine Wertung oder generelle Empfehlung auszusprechen, das traue ich mich dann doch nicht. Vielleicht hilft euch mein Geschreibsel aber beim Einordnen dieses niedlich gemeinen Spiels, oder weckt gar Interesse.

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