Angespielt – Machi Koro

machi

Machi Koro ist ein kleines, aber feines Städtebauspiel, das vor allem durch seine Eleganz besticht, sowohl von den Regeln wie auch vom Design des Spielmaterials her.

Vor allem das Material gefällt mir unglaublich gut, ich liebe den Stil der Illustrationen, und das wirkt alles wie aus einem Guss, die Schachtel, die Karten, die Münzen, die Anleitung… nur die beiliegenden Würfel sind etwas seltsam, aber die kann man ja im Nullkommanix ersetzen.


Inhalt

Ziel des Spiels ist es, als erster vier Großprojekte zu errichten (siehe oben, die grauen Karten mit dem Baggersymbol). Die kosten einfach nur Geld, aber eine Menge davon. Also gilt es, zunächst einmal andere, wesentlich günstigere Häuserkarten zu bauen, die für stetig wachsendes Einkommen sorgen.

Diese kommen in ungefähr fünf verschiedenen Kategorien:

haus

  • Spielerunabhängiges Einkommen, etwa Weizenfeld (und Wald): Wann immer jemand eine 1 (oder 5) würfelt, erhält der Spieler Geld.
  • Spielerabhängiges Einkommen wie die Bäckerei: Wann immer man selbst eine 2 oder 3 würfelt, erhält man Geld.
  • Aggressives Einkommen, siehe das Café oben: Würfelt jemand anders eine 3, muss er jedem Besitzer eines Cafés Geld zahlen.
  • Abhängiges Einkommen, etwa die Molkerei: die beziehen andere Karten mit ein und multiplizieren ihren Wert.
  • Spezielle Karten wie das Stadion darf man nur einmal haben, die haben teilweise deftige Regeln.

Ein Spielzug ist denkbar simpel: einen oder zwei Würfel werfen, bei passenden Augenzahlen Einkommen kassieren, und wenn man kann und will, eine neue Karte kaufen.

Wer zuerst das vierte Großprojekt umgedreht hat, gewinnt.


Bewertung

Das Spiel hat sehr einfache, flüssige Regeln, was erstmal durchaus positiv ist. In 5 Minuten hat auch der langsamste Mensch verstanden, wie es funktioniert, und spätestens nach zwei Partien sind auch die 15 verschiedenen Gebäudekarten auswendig gelernt, und man kann anfangen, über „Strategien“ nachzudenken.

Hier fällt aber dann doch auf, dass das Spiel strategisch so viel nicht hergibt:

  • Nutze ich nur einen Würfel, spiele also mit kleinen, günstigen Karten, oder arbeite ich auf die mächtigen hin, für die man zwei Würfel braucht?
  • Streue oder bündle ich meine Karten, also: Decke ich alle möglichen Würfelergebnisse ab, von 1 bis 6 oder 2 bis 12, oder spekuliere ich auf das Würfelglück, zum Beispiel eine Kombination von zehn Karten, für die ich dann aber auch genau die 7 würfeln muss?

Das sind in etwa die einzigen Entscheidungen, ab da hängt alles von den Würfeln ab, und zwar nicht zu knapp, das Spiel hängt massiv vom individuellen Würfelkönnen (=Glück) ab.

Außerdem hat das Spiel eine etwas seltsame „Kurve“: erst ist man geraume Zeit arm und backt unbefriedigend kleine Brötchen, und dann geht es auf einmal sehr sehr schnell, und in wenigen Zügen sind alle Großprojekte vollendet.

Sobald das Spiel anläuft, ist es auch schon wieder vorbei.

Diese zwei Kritikpunkte hängen natürlich direkt mit der positiv auffallenden Schlichtheit und Eleganz zusammen: wollte man diese Probleme nämlich lösen, so müssten vermutlich weitere Regeln und Spielelemente her, und das Spiel wäre mit einem Mal so sperrig wie ein abendfüllender Tausend-Teile-Taktikbrecher.

Ich will Machi Koro wirklich mögen, aber so ganz überzeugen konnte es mich bisher nicht, weder in der Standardform noch mit randomisierter Kartenauslage. Es fehlt an wirklicher Spieltiefe, alles ist so fürchterlich glücksabhängig, und so bleibt es bestenfalls ein nettes Spiel für zwischendurch. Ich vergebe eine 6/10, wobei da schon ein Bonuspunkt für die schöne Aufmachung drin ist.

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2 Gedanken zu “Angespielt – Machi Koro

  1. Die Standardform des Spieles mit allen Gebäuden finde ich recht langweilig und auch unausbalanciert. Eine Strategie hat dort eine sehr hohe Siegesrate, wenn die anderen nicht reingrätschen und das verhindern 🙂

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    • „Reingrätschen und verhindern“ ist aber wohl auch ein wichtiger Teil des Spiels. 😉

      Ich mag die zufällige Auslage auch lieber als die vollständige Auslage, und ich habe auch schon von mehreren Seiten versichert bekommen, dass die Erweiterung mit weiteren Gebäuden das Spiel ungemein aufwertet.

      Ich kaufe nur ungerne Erweiterungen zum „Reparieren“ eines Spiels, ich kaufe Erweiterungen, weil mir das Spiel gut gefällt und ich „mehr davon“ will.

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