Angespielt – Betrayal at House on the Hill

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Im Spiel mit dem etwas sperrigen Namen (Link zu BaHotH auf BGG) landet eine Gruppe von Klischeecharakteren in einem Geisterhaus.

Nach und nach werden die gruseligen Räume erkundet, die Spieler finden seltsame Gegenstände und Hinweise, fallen aber auch durch morsche Fußböden, Türen knallen wie von Geisterhand hinter ihnen zu, sie haben zahlreiche Begegnungen der dritten Art… Bis dann endlich der richtige Spuk losgeht!

2004 erschienen, ist Betrayal schon jetzt ein Klassiker, beliebt und bekannt in vielen Spielegruppen.


Ablauf

Betrayal lässt sich in zwei Phasen aufteilen, vor und nach dem Spuk.

Zunächst laufen die Spieler weitestgehend ziellos durch das Geisterhaus. Sie ziehen Räume von einem großen Stapel und basteln sie aneinander. So gut wie jeder davon löst dann entweder ein Ereignis oder ein Omen aus.

Die Ereignisse erzählen eine lustige Geschichte, beeinflussen aber vor allem den gespielten Charakter. Er muss meist irgendeine Talentprobe bestehen, und dann verändert sich seine Spielfigur, sie wird klüger, wahnsinniger, stärker, langsamer oder was auch immer.

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Charakterplättchen mit vier Attributen

Die Omen sind häufig irgendwelche magischen Gegenstände. Außerdem muss man für jedes Omen über die Anzahl der bereits gezogenenen Omen würfeln, was immer unwahrscheinlicher wird.

Schafft man das nicht, so wird der Spuk, eines von über 50(!) Szenarien ausgelöst. Da ist wirklich alles dabei, was das Horrorherz begehrt: Dämonische Portale öffnen sich, hypnotische Aliens landen und wollen die Spieler entführen, verliebte Vampire wollen die Spieler beißen, und und und.

Einer der Spieler wird zum Bösen, er verlässt den Raum und liest sich die Regeln durch, wie seine Monster funktionieren und was er erreichen muss. Die anderen Spieler lesen ein Kapitel in einem anderen Buch, hier steht, wie sie das Szenario gewinnen und ihr Leben retten können.


Wertung

Das Spiel ist herrlich thematisch. Wenn man sich die Mühe macht, alle Karten vorzulesen und etwas „Rollenspiel“ mit reinbringt, macht es einen Heidenspaß.

Ooh, eine gruselige goldene Maske, die mir Wissen bringt, aber geistige Gesundheit kostet? Die ziehe ich doch sofort an… Muahahaha! Ihr werdet hier drin alle sterben!

Auch dass alles so klischeehaft ist, sehe ich eher positiv, das erinnert wunderbar an diverse Horrorfilme aus den 80ern.

Die irre vielen Szenarien sorgen natürlich für eine Menge Wiederspielwert. Bis man die alle durch hat, vergehen eine Menge Spieleabende.

Es hat aber auch einen Haufen Schwachstellen:

  • Mechanisch ist Betrayal ein Graus, was vor allem an den vielen verschiedenen Szenarien liegt. Wir sind so oft in Situationen geraten, die die Regeln nicht abdecken, aber eigentlich abdecken müssten. Da ist dann Kompromissbereitschaft gefragt: „Mach halt, wie du meinst.“
  • Die erste Phase wird ziemlich schnell repetitiv. Schon beim zweiten Spiel ist es mehr oder weniger das Gleiche, auch wenn man andere Räume aufdeckt und andere Gegenstände findet. Die Idee, den Spielplanaufbau und die Charaktererstellung, denn nichts anderes tun wir hier eigentlich, als eigenständiges Spiel im Spiel einzubinden, hört sich besser an, als es dann tatsächlich ist.
  • Außerdem ist diese Phase etwas ziellos. Ich weiß ja nicht, ob ich am Ende der Gute oder der Böse bin. Soll ich mir Mühe geben, einen starken Charakter zu basteln? Wie ordne ich die Räume an, sorge ich für Fluchtwege oder für Sackgassen? Keine Ahnung. „Optimierern“ wird hier nichts geboten.
  • Der Spuk tendiert zu den Extremen: Nobrainer oder unschaffbar, je nachdem, wie das Haus aufgebaut wurde, wo die Spieler gerade rumstehen oder welche Gegenstände gefunden wurden. Das viele Würfeln trägt auch nicht gerade dazu bei, das Spiel fairer zu gestalten.
  • Außerdem läuft es oft darauf hinaus, dass ein Spieler zum Quarterback wird: Er hat den passenden Gegenstand oder die passenden Attribute, um das Spiel zu gewinnen, und die anderen sind mehr oder weniger nutzlos.
  • Das Auslösen des Spuks kann die Immersion zerstören. Die Spieler müssen mitten im Spiel nochmal Regeln lernen. Und wenn als Böser jemand ausgelost wurde, der Betrayal zum ersten Mal spielt, kann man das Spiel mehr oder weniger sein lassen.
  • Die Qualität des Spielmaterials ist so lala. Am schlimmsten sind die Charakterplättchen: Ich weiß nicht, was sie sich dabei gedacht haben. Die Plastikklammern, mit denen man die Attribute dokumentieren soll, sind furchtbar. Sie halten überhaupt nicht. Bei jeder Gelegenheit verrutschen diese Dinger, dabei ist es nicht unbedingt unwichtig, hier korrekt Buch zu führen. Auch die Monstermarker kommen etwas lieblos daher, aber das liegt an der Vielfalt der Szenarien: Wenn der gleiche Marker einen Satanskultisten, einen Werwolf und ein Alien darstellen muss, kann man halt kein hübsches Alien draufmalen.

Insgesamt vergebe ich eine leicht überdurchschnittliche 6/10. Die Atmosphäre und der leichtherzige Spaß gewinnen knapp gegen die fürchterlichen Regeln, das mäßig tolle Material und das Gewürfel ohne Sinn und Verstand. 😉

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2 Gedanken zu “Angespielt – Betrayal at House on the Hill

    • Da wühlt aber jemand tief in meinem Blog herum. 😉

      Wer meine älteren Beiträge auseinanderklambüsert, wird neben einem teils grausigen Schreibstil viele Aussagen finden, die ich heute nicht mehr treffen würde.

      Aber trotzdem, irgendwie packt mich BaHotH nicht so sehr wie EH. Was vermutlich größtenteils daran liegt, dass die erste Hälfte so ziellos verläuft, bis die Rollenverteilung und Aufgabenstellung klar werden. Und dann ist es immer noch nicht klar, ob das eine spannende Partie wird oder nicht.

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