Ein Tag auf der Spielemesse in Essen

Ich hatte heute das Vergnügen, mich dort einen ganzen Tag lang herumzutreiben. Spiele anschauen, testen, mit den Autoren quatschen, durch die Menschenmengen drängeln, nach Schnäppchen Ausschau halten…

Ein paar kleine Reviews, was ich mir alles näher angeschaut habe:

Project: Elite

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https://boardgamegeek.com/image/2689991/project-elite

Ein kooperatives Spiel gegen irgendwelche Killer-Aliens, die von links aufs Spielfeld rennen, während die Spieler von rechts zu irgendwelchen Missionszielen laufen müssen. Eigentlich ein relativ generisches Spiel, das nur durch ein Element „aufgewertet“ wird: man spielt unter Zeitdruck. Jede Runde dauert 2 Minuten, in denen man so lange rumwürfeln darf, wie man kann. Die Würfel zeigen verschiedene Symbole, die Laufen, Schießen und dergleichen ermöglichen. Nach den zwei Minuten hat man hoffentlich alle momentan vorhandenen Aliens totgewürfelt, sonst wird es haarig.

Wundert mich ein bisschen, wie die dafür 200.000$ auf Kickstarter zusammengekriegt haben. Wegen den Miniaturen, wahrscheinlich, auch wenn die eigentlich nicht besonders hübsch sind.  Ich kann das Spiel an sich nicht empfehlen. Es ist mir ein bisschen zu stumpf, und ich vermisse „Interaktion“, durch den Zeitdruck spiele ich quasi alleine.


Metro 2033

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(Nachtrag: Es heißt Metro 2033: Breakthrough, nicht zu verwechseln mit dem Spiel Metro 2033, das Spiel war auf russisch, aber mit beiliegenden englischen Regeln)

Das Foto sieht ein bisschen arm aus? Ist es auch… 😉

Dieses Kartenspiel basiert auf einem recht erfolgreichen Buch mit postapokalyptischer Thematik, was auch der einzige Grund war, warum wir es uns näher angeschaut haben. Leider ist das Thema ziemlich „draufgestülpt“, der Flair des Buchs/Spiels kommt überhaupt nicht rüber, es hat genau nichts mit damit zu tun, und die Mechanik ist fürchterlich eintönig.

Es spielt sich ungefähr so:

Runde 1: Arbeiter (diese kleinen Marker) benutzen, um Karten auszuspielen. Karten nachziehen.

Runde 2: Karten ungenutzt abwerfen, um Arbeiter zurückzubekommen. Karten nachziehen

Und von vorne!

Man setzt also effektiv jede zweite Runde aus. Toll. Nicht.

Hin und wieder kommt mal ein Monster, das macht es aber auch nicht interessanter.


Barba Rossa

https://boardgamegeek.com/boardgame/72809/barbarossa

Wtf?

Im zweiten Weltkrieg in einem fiktiven Parallelluniversum rennen die Spieler als Nazi-Hentai-Soldaten mit dicken Brüsten und fröhlichen Gesichtern gegen Russland an, wer zuerst Moskau erobert hat, um den dunklen Magier Stalin zu besiegen, hat gewonnen. Das Thema und das Kartendesign sind in jeder Hinsicht falsch, unter der Gürtellinie auf so vielen Ebenen (Naziverherrlichend, sexistisch, dämlich), wie man sich das nur vorstellen kann. Unfassbar.

Das Spiel an sich ist aber relativ gut. Man baut sich nach und nach ein Kartendeck aus verschiedenen Einheiten und Fähigkeiten zusammen (so ähnlich wie im beliebten Dominion), kämpft dann gegen Hindernisse, die Mechaniken funktionieren einwandfrei.

Deshalb und wegen dem Trashfaktor der Artworks hat sich das mein Kumpel tatsächlich gekauft.


Starfighter

https://boardgamegeek.com/boardgame/171226/starfighter

Zwei Spieler kämpfen mit Raumschiffen gegeneinander, indem sie Kombinationen aus Karten horizontal und vertikal auf das Spielfeld ausspielen und sogar das Spielfeld an sich verschieben, so dass manche Attacken ins Leere laufen.

Ich glaube, das Spiel hat Potential, wenngleich wir auch einige Details zu bemängeln hatten. So muss man zum Beispiel die Lebenspunkte des Raumschifffs in der Mitte mit den Klötzchen auf diesen kleinen Leisten festhalten, und wenn man das Spielfeld verschiebt, dann verrutscht diese Anzeige andauernd. Außerdem enthält das Deck unserer Meinung nach eine unausgewogene Kartenbalance, man hat erhebliche Probleme, vertikale Kombinationen zu spielen, weil es zu wenig Karten gibt, die man in die zweite Reihe legen darf, und zu viele für die dritte und vierte (für die man wiederrum Karten in der zweiten und dritten bräuchte).

Ich glaube, das Spiel ist ganz gut, maße mir aber noch kein Urteil an.


Dropzone Commander

http://www.hawkwargames.com/

Wenigstens ein Tabletop (also ein Kriegsspiel mit Figürchen, die man anmalen muss) wollten wir ausprobieren.

Dieses hier spielt sich sehr interessant, weil man seine sehr langsame Armee (ein paar Zentimeter pro Runde) in sehr schnelle Transporter (ein halber Meter pro Runde) ein- und ausladen kann, was lustige taktische Möglichkeiten eröffnet. Die Regeln scheinen recht kurz, und die Starterpacks mit haufenweise schick designten außerirdischen Panzern und Flugzeugen kosten nur ca. 40 Euro, was sich sehr fair anhört.


Clear for Takeoff

https://www.facebook.com/clearfortakeoffwinter

Ein Spiel mit wunderschöner Grafik im Retrodesign der 70er, es befindet gerade in der Kickstarterphase.

Leider ist es mechanisch fürch-ter-lich!

Die Spieler sollen ca. 5-8 Flugzeuge in einer Art Wettrennen auf die Startbahn kriegen, jeder Spieler hat eine unterschiedliche Anzahl Flugzeuge unterschiedlicher Größen, was leider nicht gerade balanciert erscheint.

Und man macht genau gar nichts. Man hält 9 Karten, darf aber immer nur eine benutzen, und schleicht sich somit durch ein gähnend langweiliges unfaires Spiel, das niemals enden will, denn wann immer jemand gefährlich viele Flugzeuge auf den Bahnen hat, kann man sie mit einzelnen Karten in Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Manier aus dem Spiel werfen, und alles fängt von vorne an.

Ein bisschen taten die mir leid, vor allem die netten Russinnen in den Stewardessenkostümen, die man auch auf Facebook sieht (das sind keine Hostessen, die kannten das Spiel in und auswendig): Immerhin hatten sie einen Messestand bezahlt, stehen wirklich hinter dem Spiel, und die Artworks sind wirklich wunderschön… aber das kann so nicht klappen, außer vielleicht für Sammler, die gar nicht spielen wollen.

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2 Gedanken zu “Ein Tag auf der Spielemesse in Essen

  1. Elite ist eigentlich eine Katastrophe. Die Figuren entsprechen nicht im geringsten den damals vorgestellten Rendern und wären selbst als Rummelplatzbeutel-Plastikminis in den 80ern durchgefallen.

    Die Spielidee an sich hat was, aber spätestens seit Escape bin ich kein großer Fan von diesen Zeitwürflern. Das eigentliche Spiel und soziale Element kommt mir da zu kurz.

    Bei Metro hatte ich das Gefühl, dass irgendein Verlagsazubi das Buch irgendwie in Spielform bringen musste, aber nur Mensch ärgere dich nicht und ähnliche Leichtgewichte kannte und ja eigentlich eher Bücher bearbeiten möchte und dann das dabei rauskam.

    Barba Rossa kann man sich mal die Grundidee für eigene Spiele genauer ansehen und aufbretzeln.

    Starfighter hat nette Grundideen, aber ist fast schon ein klassisches Beispiel für Anfängerfehler. Da hätte eine Redaktion auch materialtechnisch eigentlich eingreifen müssen.

    Dropzone Commander bin ich etwas parteiisch, da ich an der deutschen Fassung mitarbeite. Aber seit AT-43 ist mir kein SF-Spiel untergekommen, das mir so viel Spass gemacht hat und das sogar wenn ich verliere. Vor allem kommt hier das Commadn&Conquer-Feeling verdammt gut rüber. Es hat einfach was befriedigendes, wenn man zwar zusammengeschossen wurde, mit den verbleibenden Einheiten dann dem Gegner das Hochhaus unter dem Hintern wegschießt, seine Truppen dabei leider durch Trümmer erschlagen werden und man noch flink mit den eigenen Fußtruppen in die Trümmer eintaucht um dann kurz vor knapp das entscheidene Missionsziel ins eigene Lager zu bringen. Dropzone ist sehr missionslastig und wer nur auf Vernichtung spielt verliert die meiste Zeit.

    2016 kommt übrigens auch Dropfleet Commander raus, das das Spiel um Orbitalkämpfe und Stadteroberung in Kontinentaldimensionen erweitert.

    Die Minis sind schnell angemalt und das optisch sehr ansprechend und auch das Gelände bekommt man recht einfach und reichlich.

    Das Fliegerspiel ist vom Artwork her genial… aber leider auch wieder auf Designanfängerniveau.

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  2. Barba Rossa ist ein Dominionklon, viele Karten sind sogar 1:1 dieselben, und alle Elemente (Extraaktion, Extrakarte Extragold etc) haben auch hier ihre Entsprechung. Der einzig echte Unterschied ist die drangetackerte Kampfmechanik statt den Dominion-Siegespunktekarten. Ich weiß also nicht, wie viel man da „abschauen“ kann.

    Bei Starfighter war ich einfach schockiert von der Lebenspunkteleiste. Das ist so offensichtlich, dass das vom handling her nicht funktioniert (verrutscht andauernd). 😉

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