Die Wutbürger und das Kennerspiel des Jahres

Jedes Jahr schäumen die Gemüter, nachdem die Jury ihre Entscheidung verkündet hat.

Letztes Jahr war es eine Frechheit, ein Spiel namens Codenames zu prämieren, das sicher die eine oder andere Familie überfordern kann. Noch schlimmer im Kennerbereich, wie kann ein schönes, aber irgendwie auch herkömmliches Spiel wie Isle of Skye gegen die so unglaublich „innovativen“ Spielkonzepte von Pandemic Legacy und Time Stories gewinnen? Das muss doch Schiebung gewesen sein, jawoll!

Dieses Jahr kam wieder eine ganze Menge zusammen. Es ist ein bunter Cocktail aus Fallstricken, zum Beispiel, dass…

  • …der David Schwerkraftverlag mit gleich zwei nominierten Titeln gegen den Goliath Kosmos stand.
  • …der Preis immer noch „Kennerspiel“ heißt, uns Vielspieler aber überhaupt nicht ansprechen will, geschweige denn in die Entscheidung mit einbezieht.
  • …der Preis „Spiel des Jahres“ heißt, aber eigentlich gar nicht unbedingt das beste, schönste oder beliebteste Spiel auszeichnen will, sondern dasjenige, das „möglichst vielen Menschen das Kulturgut Spiel nahebringt“ (Quelle).
  • …ein „Einmalspiel“ Preisträger wurde, und das in Zeiten des Klimawandels.
  • …ein absolutes Hypespiel nominiert wurde, aber nicht gewonnen hat.
  • …ein eher einfaches Spiel zusammen mit einem komplexen Expertenspiel in einer Kategorie landete.

Ja, es ist nicht immer einfach, die Entscheidungen der Jury nachzuvollziehen. Ja, ich hätte vermutlich auch anders entschieden. Wer mit seinem Herzen dabei ist, darf natürlich ein bisschen enttäuscht sein. Aber beleidigend und ausfallend werden, Verschwörungstheorien aufstellen, wildes Wutbürgern? Muss das wirklich sein?


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Spiel des Jahres Ratespiel

Bevor demnächst die Nominierungen bekannt gegeben werden, will ich einfach mal ins Blaue raten. Ich kann natürlich nicht hinter die Kulissen spicken, und ich werde völlig aus dem Bauch heraus entscheiden, aber wenn ich richtig tippe, dann kann ich mir bestimmt voll toll auf die Schulter klopfen. 😉


 

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Spiel des Jahres – Karuba: Einfach zu erklären, kurzweilig und schön bunt, dazu ein frei skalierbarer Schwierigkeitsgrad und überhaupt keine Downtime… Das muss ja schon fast gewinnen. Da führt kein Weg dran vorbei. 😉

Außerdem werden nominiert:

  • Codenames: wundervolles Partyspiel, das Assoziieren und Zusammenfassen müssen ist eine tolle Spielidee. Einfach zu erklärende, aber höllisch anspruchsvolle Aufgabe.
  • Die holde Isolde: ebenfalls sehr einsteigerfreundlich, spannend, bunt und lustig. Nur die Materialqualität ist ein bisschen „na ja“: kleinste Marker sorgen für eine unbefriedigende Haptik.

 

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Kennerspiel des Jahres – Isle of Skye: Plättchen kaufen, Plättchen legen. Für mich das beste Spiel des letzten Jahres, hab es zigmal mit zig verschiedenen Menschen gespielt, und alle waren sie begeistert. Einfach zu erklären, aber gar nicht so unknifflig. Durch die verschiedenen Siegpunkteplättchen läuft jede Partie ein bisschen anders ab.

Isle of Skye schwebt ein bisschen zwischen den Kategorien, aber ich denke, es passt dann schon eher zu den Kennerspielen.

Außerdem werden nominiert:

  • 7 Wonders Duel: Ein ohnehin schon tolles Spiel, jetzt in noch toller für zwei.
  • Time Stories: Innovatives Spielprinzip, kriegt den Pöppel aber nicht, weil man es nur einmal durchspielen kann.