Die Wutbürger und das Kennerspiel des Jahres

Jedes Jahr schäumen die Gemüter, nachdem die Jury ihre Entscheidung verkündet hat.

Letztes Jahr war es eine Frechheit, ein Spiel namens Codenames zu prämieren, das sicher die eine oder andere Familie überfordern kann. Noch schlimmer im Kennerbereich, wie kann ein schönes, aber irgendwie auch herkömmliches Spiel wie Isle of Skye gegen die so unglaublich „innovativen“ Spielkonzepte von Pandemic Legacy und Time Stories gewinnen? Das muss doch Schiebung gewesen sein, jawoll!

Dieses Jahr kam wieder eine ganze Menge zusammen. Es ist ein bunter Cocktail aus Fallstricken, zum Beispiel, dass…

  • …der David Schwerkraftverlag mit gleich zwei nominierten Titeln gegen den Goliath Kosmos stand.
  • …der Preis immer noch „Kennerspiel“ heißt, uns Vielspieler aber überhaupt nicht ansprechen will, geschweige denn in die Entscheidung mit einbezieht.
  • …der Preis „Spiel des Jahres“ heißt, aber eigentlich gar nicht unbedingt das beste, schönste oder beliebteste Spiel auszeichnen will, sondern dasjenige, das „möglichst vielen Menschen das Kulturgut Spiel nahebringt“ (Quelle).
  • …ein „Einmalspiel“ Preisträger wurde, und das in Zeiten des Klimawandels.
  • …ein absolutes Hypespiel nominiert wurde, aber nicht gewonnen hat.
  • …ein eher einfaches Spiel zusammen mit einem komplexen Expertenspiel in einer Kategorie landete.

Ja, es ist nicht immer einfach, die Entscheidungen der Jury nachzuvollziehen. Ja, ich hätte vermutlich auch anders entschieden. Wer mit seinem Herzen dabei ist, darf natürlich ein bisschen enttäuscht sein. Aber beleidigend und ausfallend werden, Verschwörungstheorien aufstellen, wildes Wutbürgern? Muss das wirklich sein?


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