Angespielt – Fabelsaft

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Bildquelle: BGG

Der neueste Streich aus dem Hause Friedemann Friese. Und wieder mit einer großartigen Grundidee, nennen wir es Legacy Light: Das Spiel verändert sich von Partie zu Partie, aber ohne dass wir zusätzliche Boxen kaufen, Karten zerreißen, Spielmaterial überkleben oder geheime Umschläge öffnen müssten.


Wie funktioniert das?

Die einzelnen Partien folgen sehr simplen Regeln: Zwei Kartenstapel gibt es, Früchte als Handkarten und Aktionskarten/Säfte für die Tischmitte. Es liegen immer ein paar Aktionen aus, davon wählen wir in jedem Zug reihum eine aus, um an neue Früchte zu kommen, oder mit bereits vorhandenen Früchten den aufgedruckten Saft zu brauen. Wer ein paar Säfte bezahlt hat, hat gewonnen.

Der Clou ist nun: Der äußerst dicke Aktionskartenstapel ist vorsortiert. Wann immer jemand einen Saft braut und damit eine Aktionskarte entfernt, wird eine neue Karte nachgezogen. So kommen nach und nach neue Aktionen ins Spiel, und alte verschwinden wieder. Die nächste Partie beginnt, wo die letzte aufgehört hat, wir sehen also nach und nach irgendwas um die 60 verschiedene Aktionen in je vierfacher Ausführung, was wohl für ungefähr 20 unterschiedliche Partien ausreichen sollte.


Wie fühlt sich das an?

Vorwarnung: „Angespielt“ wird mal wieder groß geschrieben. Ich habe genau eine Partie gespielt, als Quereinsteiger bei der ungefähr fünfzehnten Aktionskarte. Drüber labern tue ich trotzdem.

Das eigentliche Spiel ist mir zu uninteressant. Mein Spielanteil sah ungefähr so aus: Ich nehme drei Karten. Ich nehme zwei Karten. Ich baue einen Saft. Das ganze dann viermal, und dann hatte ich gewonnen. Schlicht, trivial, langweilig. Ohne irgendwelche Raffinessen.

Was hier Bemerkenswertes passiert, ist die Metaebene zwischen den Spielen, dass ich irgendwie darauf gespannt sein soll, was als nächstes an Aktionen auftaucht. Aber auch hier, ich habe ein wenig gespoilert und in die kommenden Aktionskarten reingespäht, da ändert sich meines Erachtens nach leider einfach nicht genug. Das Spiel ist so simpel, dass man auch die 60 verschiedenen Aktionen nicht wirklich „verschieden“ gestalten kann. Ich bekomme halt irgendwie Handkarten, fertig. Mal ziehe ich sie, mal tausche ich sie, mal klaue ich sie, mal sind es eine, zwei oder drei, aber macht das wirklich einen Unterschied?


Eindruck

Ich hätte mir ein Spiel mit mehr Gewicht hinter diesem ausgefallenen Mechanismus gewünscht. Irgendwas mit einem „Kniff“. Oder einen richtigen Brecher, zum Beispiel ein Zivilisationsspiel, in dem die ersten Aktionskarten „Feuerstein“, „Feuer“, „Viehhaltung“ oder sowas sind, und am Ende dann „Atomkraft“, „Gentechnik“ oder so ähnlich. Und wir spielen über mehrere Partien die Menschheitsgeschichte durch.

In dieser Form ist das für mich aber leider nichts. Ich könnte jetzt natürlich irgendwas schreiben wie „das ist für Familien geeignet“, so lautet der Euphemismus, mit dem der Vielspielerrezensent simple Spiele abstraft. Aber auch da: Ich würde in der Familie glaubich lieber ein spannenderes Spiel zwanzigmal spielen, als zwanzig leicht unterschiedliche Versionen eines belanglosen Ablaufs.

Sorry, aber der Reiz der Metaebene überträgt sich für mich nicht ins Spiel an sich.

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5 Gedanken zu “Angespielt – Fabelsaft

  1. Sehr schön auf den Punkt gebracht. Bin auf weitere Eindrücke gespannt aber bis dato reflektiert das für mich die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mit den meisten Spielen von Friedemann gemacht habe: Es ist fast immer eine interessante, tw. sogar radikal neue Idee dabei (ich sage nur „504“) aber der tatsächlich verwertbare Spielwert ist dann doch nur mäßig.

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