Rumschlendern in Essen

Falls jemanden die Funkstille auf diesem Blog wundert, ich lungerte die letzten Monate archäologisch in der Nähe von Göttingen herum (für den Interessierten hier ein NDR-Artikel mit Foto von mir von hinten beim Zeichnen. Ein Traum!).

Ich kam also ungefähr zu nichts, keine Spieleabende und Spieleclubs, keine Spiele erfinden, kein Blogschreiben. Aber die Messe in Essen muss natürlich sein. Also wieder einmal mitten rein in die überfüllten Korridore und den ohrenbetäubenden Lärm zwischen quietschebunten Ständen mit übernächtigten und heiseren Erklärmenschen, tausenden Hobbyisten mit Rollkoffern und Kartonstapeln bis zur Decke… man muss das einfach lieben.

Ich habe diesmal eigentlich nichts Großes oder besonders Begehrtes angeschaut. Das sollen mal hübsch die anderen Blogger machen. Man verzeihe diesbezüglich auch meine fürchterlichen Handyfotos. Ich habe wohl irgendein vorgeschichtliches Sediment in meine Kamera gerieben, befürchte ich.

In erster Linie war ich zum Quatschen und privaten Rumstöbern dort, und in meiner Funktion als Autor für zwei Verlagsgespräche – Waren beide sehr, sehr positiv.

Nichts desto trotz hier ein kleiner Überblick, was ich dann doch anspielen konnte.


Sultans of Wind (Desyllas Games)

dsc_0248
Größtenteils fertiges Produktionsmuster

Der Autor Jan Meyberg saß auf dem letzten Autorentreffen in Göttingen ungefähr am Nachbartisch, da musste ich natürlich auch sein Spiel ausprobieren. Sultans of Wind (Link zu BGG) ähnelt ein wenig dem Klassiker Das verrückte Labyrinth, das Spielfeld dreht und verschiebt sich andauernd, während wir versuchen, zwei fliegende Teppiche diagonal darüber zu schieben. Dazu nutzen wir einen cleveren Aktionsmechanismus, unsere Optionen kommen in einer Art Produktionsstraße angerollt, nur die unter dem Sichtschirm stehen zur Verfügung. Und ein äußerst scheuer, Wünsche erfüllender Djinn hüpft auch noch auf dem Spielfeld herum.

Spielt sich fix runter, obwohl es ziemlich chaotisch zugeht, ist schnell erklärt und macht durchaus Spaß. Es wirkte auf mich nur ein klein wenig „überproduziert“, ich hätte vermutlich den Spielplanuntergrund und die Sichtschirme rausgeschmissen, und dafür die Schachtelgröße und den Preis halbiert (und hoffentlich die potentielle Käuferanzahl mehr als verdoppelt). Aber ich bin halt auch ein Sparer.

Kurzurteil: I like.


Orcquest (demnächst Kickstarter)

dsc_0251

Orks gehen immer.

Als ebendiese überfallen wir ein Dorf, was sich dadurch darstellt, dass wir Handkarten ausspielen, diese kaputtwürfeln und dafür Gold (Siegpunkte) bekommen.

Die Jungs haben ihre Standgebühr verständlicherweise dafür genutzt, auch noch Testspielerfahrung zu sammeln, dadurch waren aber leider diverse Regeln und Kartentexte durcheinandergeworfen, redundant oder sinnlos.

Nett daran ist die Idee, dass es drei verschiedene Würfelsorten gibt (einfach bis schwer), und auf den Würfeln selbst gibt es Symbole, die mitten im Würfelwurf gestatten oder dazu zwingen, auf leichtere oder schwerere Würfel zu wechseln. Leider war das nicht so recht zuende gedacht, die Würfelregeln an sich sind zu simpel gehalten, als dass das irgendeine echte Auswirkung hätte.

Kurzurteil: Skip. Glaube nicht so recht, dass die das ausgebügelt kriegen.


Hanamikoji (Emperor S4)

dsc_0249

Karten, die in der Mitte rumliegen, und um die dann irgendwie geboten wird, das geht auch immer. Vor allem, weil ich gerade selbst an einem solchen Spiel herumfummle.

Hanamikoji (BGG) ist in erster Linie traumhaft illustriert. Bildschönes Spiel, und war wohl auch sehr schnell weggekauft. Wir bieten um die Gunst von Geishas, indem wir Karten auf sie ausspielen. Der Clou ist diesmal, dass wir nur exakt vier Aktionen haben, die kleinen Token. Spiele drei Karten, aber dein Gegner darf eine wählen. Spiele eine Karte verdeckt. Entsorge zwei Karten. Spiele vier Karten in zwei Haufen, und dein Gegner kriegt einen davon. Nachdem beide Spieler alle vier Aktionen in beliebiger Reihenfolge gemacht haben, überprüfen wir, wer mehr Karten an die Geishas gelegt hat. Den mögen die dann. Dann beginnt die nächste Runde, und das machen wir so lange, bis ein Spieler x Geishas mehr als der andere bezirzt hat. Dass da ein gewisses Hin und Her rauskommt, liegt irgendwie auf der Hand, und das erschien uns etwas anstrengend, daher haben wir nach einer Runde aufgehört.

Kurzurteil: Die Bilder sind das Verkaufsargument, das Spiel… hmmm. Skeptisch.


Pocket Invaders (Gen X Games)

dsc_0253

Dieses Microgame (der Name ist Programm) ist wohl am ehesten vergleichbar mit Schach. Wir schieben Raumschiffe aufeinander zu, das Ziel ist es, das eigene Mutterschiff auf den gegnerischen Planeten zu befördern, oder das gegnerische matt zu setzen. Abwechselnd bewegen wir dazu einen unserer Raumschiffwürfel, auf den Würfelseiten steht, wohin sie laufen und was sie schlagen dürfen. Ich dachte anfangs, dafür brauche ich eine Lesebrille, aber im Spiel selbst ist es dann doch übersichtlich genug.

Wenn ich einen gegnerischen Würfel schlage, würfle ich damit, und darf ihn dann als ebendieses Raumschiff (Schachfigur) irgendwo ins Spiel bringen. Dazu kommt der erhebliche Glücksfaktor, welche Raumschiffe man sich herbeiwürfelt.

Kurzurteil: Aufmachung eigentlich cool, aber das Spiel ist für mich zu abstrakt für den Glücksanteil. Falls das irgendwie Sinn macht.


Capital Lux (aporta games)

pic3125785_md
Hab vergessen, ein Foto zu machen. Bildquelle: BGG

Spiele mit Karten in der Mitte gehen immer. Sagte ich bereits.

Diesmal draften wir uns Handkarten zusammen. Die dürfen wir dann reihum ausspielen, entweder zu uns selbst oder in die Mitte, wo sie dann Bonusaktionen bringen. Siegpunkte bekommen wir, wenn wir am meisten Punkte einer Farbe haben, dabei aber weniger, als davon in der Mitte herumliegt. Was sich dank Bonusaktionen und Mitspielertätigkeiten kompliziert darstellt. Taktieren, antäuschen, auflaufen lassen.

Kurzurteil: Ich liebe den Grafikstil, und das Spiel wusste zu gefallen. Gekauft. Ich zweifle aber ein bisschen an der Tauglichkeit bei drei oder vier Spielern, da könnte es etwas unplanbar werden. Man wird hier noch davon hören.


They who were 8 (ludicreations)

Wieder so ein interessanter Grafikstil. Ludicreations bereiten ihre Spiele auf, wie sie gerade Lust haben, ohne sich um irgendwelche Konventionen oder eine klare Linie zu scheren. Hier sind wir Barden in einem Pantheon und besingen unsere Götter. Das hätten andere mit pompösen Renaissancebildern oder sonstigem Kitsch untermalt, hier geht es sehr reduziert zu. Aber irgendwie cool, hat mich sofort angesprochen.

pic1570900_md
Bildquelle: BGG

Jeder Spieler hat seine zwei Götter, die aber jeweils mit den Nachbarspielern Grüppchen bilden. Das Ziel ist es, an der ruhmreichsten Göttergruppe beteiligt zu sein, davon aber die weniger ruhmreiche Hälfte zu stellen. Erinnert stark an Between two Cities, aber nochmal eine gute Ecke schlanker. Wir schaufeln eigentlich nur reihum mittels großformatiger Aktionskarten Plus- und Minuspunkte auf Götter, viel mehr passiert eigentlich nicht. Spannend fand ich es trotzdem irgendwie.

Kurzurteil: Gekauft. Es wird ein längeres Urteil geben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s