Angespielt – Snow Tails

pic392963_md
Bild von BGG

Snow Tails ist ein Rennspiel für zwei bis fünf Spieler, wir steuern Hundeschlitten durch einen schneeverwehten Parcour mit allerlei Gemeinheiten: Bäume auf der Fahrbahn, enge und glitschige Kurven, andere Spieler, und unsere Hunde machen auch nicht unbedingt das, was wir uns vorgestellt hatten.


 

Wie funktioniert es?

Zunächst bauen wir eine modulare Rennstrecke auf, die Spielregel enthält ein paar fest vorgegebene, aber es shält einen natürlich niemand davon ab, auch eigene Strecken aufzubauen. Dann erhält jeder Spieler einen Stapel Karten mit den Zahlen 1 bis 5. Fünf davon haben wir auf der Hand und nutzen diese, um uns zu bewegen, indem wir sie auf unsere beiden Hunde oder die Bremse – diese Token mit den Füßen drauf – ausspielen.

pic472407_md
Bild von BGG

Die Geschwindigkeit berechnet sich über diese Formel: Hund + Hund – Bremse. Das Manövrieren funktioniert über verschieden schnelle Hunde: Wir bewegen uns um die Differenz zwischen den Hundekarten nach links oder rechts.

Der Schlitten auf dem Bild fährt also 3+3-3 = 3 Felder weit, und schnurstracks gradeaus, weil die Hunde gleich schnell sind. Läge links eine 5, würde der Schlitten 5 Felder weit fahren, und dabei zweimal die Spur nach links wechseln müssen (wann, kann der Spieler entscheiden). Die maximale Geschwindigkeit beträgt natürlich 5+5-1 = 9 Felder, allerdings gibt das wohl kaum eine Rennstrecke her.

 

Eine Karte muss ausgespielt werden, wer sein Setup beibehalten will, sollte also eine Karte nutzen, die nichts verändert. Mehrere Karten darf man nur ausspielen, wenn sie alle die gleiche Zahl zeigen. Und als kleine Aufholmechanik gibt es einen freiwilligen Bonus an Geschwindigkeit, wenn beide Hunde die gleiche Karte haben. Dieser Bonus fällt höher aus, je weiter man zurückliegt.

Selbstverständlich können wir unseren Schlitten auch zu Schrott fahren, dann müssen wir Dellen auf die Hand nehmen, die einen Handkartenslot dauerhaft blockieren: wer es tatsächlich schafft, fünf Dellen zu bekommen, ist nicht mehr manövrierfähig und scheidet aus.

Dellen bekommen wir für die üblichen Vergehen im Rennsport:

  • andere Schlitten rammen.
  • aus der Spur geraten
  • gegen Hindernisse fahren
  • zu schnell durch die roten Laserkontrollen fahren (thematisch sollen die wohl darstellen, dass dieser Streckenabschnitt bei gewissen Geschwindigkeiten zu holprig ist).

Wer einen Unfall baut, wird aber nur bedingt ausgebremst: Die Bewegung dieser Runde endet, aber die Karten bleiben liegen, und man fährt in der nächsten Runde weiter, ohne langsam beschleunigen zu müssen. Das ist etwas unthematisch, aber verschmerzbar.

Startspieler ist immer derjenige, der am weitesten vorne liegt, sind zwei Spieler gleichauf, kommt der zuerst dran, der relativ zur nächsten Kurve weiter innen fährt. Wenig überraschend gewinnt, wer zuerst die Ziellinie erreicht. Erreichen zwei Spieler in der selben Runde das Ziel, gewinnt nicht derjenige, der zuerst da war, sondern derjenige, dessen Schlitten weiter über die Ziellinie hinausschießt.


Wie spielt sich das?

Zunächst einmal ein dickes Lob für die Komponenten, die sind wirklich hübsch und solide verarbeitet. Die Rennstrecke fällt wegen der vielen Felder ein wenig arg groß aus, schlimm ist das nicht, aber es braucht schon einen geeigneten Tisch. Die Schlitten aus Karton sehen super aus, einzig die Brems-Token sind ein wenig fummlig, es hindert einen aber niemand daran, statt dieser Token einfach eine Karte hinzulegen. Dann hat der Schlitten optisch drei Hunde, aber spieltechnisch ändert das nichts. Dass die Bäume nicht nur aufgedruckt sind, sondern als Holzspielsteine beiliegen, sorgt für zusätzlichen Flair.

Zum Spiel selbst: Es fällt sofort auf, dass die Kartenhand für eine gewisse Glückskomponente sorgt, man kann passende oder unpassende Karten auf die Hand bekommen, und da hilft Strategie dann auch nur bedingt. Wer etwa zu Beginn zwei Fünfen hält, legt schonmal ordentlich vor, mehr als die Aufholmechanik bieten kann. Ob sich sowas im Lauf des Spiels wieder ausbalancieren kann, weil jeder die selben Karten im Deck hat? Ich halte das zumindest für fraglich, denn es kommt nicht unbedingt auf die einzelnen Karten, sondern auf die richtige Kombination zur richtigen Zeit an.

Die Manövrieraufgabe an sich war eher simpel, allerdings haben wir nur zu dritt gespielt, bei zwei weiteren Schlitten hätte es vermutlich mehr Gedrängel und damit Dellen gegeben. Zu dritt konnten wir fröhlich unfallfrei herumkurven, bis am Ende der Strecke die Dellen nicht mehr schmerzhaft waren, dann wurde auch der eine oder andere Baum mitgenommen. Weil’s halt egal ist.

Die Downtime dabei hielt sich in Grenzen, allzu viel gibt es auch nicht zu überlegen. Geht die Strecke etwa nach links, muss ich wohl oder übel links einen schnelleren Hund bekommen, allzu viele Möglichkeiten dazu geben die Handkarten meist nicht her, also ist eine Entscheidung schnell getroffen.


Bewertung

Snow Tails ist ein einfaches und eingängiges Spiel, das sich flott und kurzweilig runterspielen lässt.

Die Mechanik ist etwas glückslastig, es gewinnt nicht unbedingt der beste Fahrer, sondern der mit den besten Handkarten, aber das ist immer noch besser als Würfeln.

Wie in Rennspielen so üblich, ist die Balance zwischen Materialmenge und Spieldauer etwas aus dem Ruder. Aussagen über den Wiederspielreiz kann ich auch nur bedingt treffen, aber ich glaube, dass die Variation der Streckenverläufe keinen allzu großen Einfluss auf das Spielerlebnis an sich hat.

Nichts desto trotz, Snow Tails ist ein netter Zeitvertreib, wer Rennspiele mag, wird hier sicher seine Freude haben.

Advertisements

2 Gedanken zu “Angespielt – Snow Tails

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s