Angespielt – Quadropolis

qp-inside-568
Bild von Days of Wonder

In Quadropolis schicken wir eine Bande Architekten los, um hübsche kleine Städte zu errichten. Dazu grabschen wir reihum Gebäude aus der Mitte, legen sie auf unseren Spielplan und wer am Ende am sinnvollsten geplant und etwas Glück hat, gewinnt.


Wie funktioniert das?

Zentraler Mechanismus sind die Architekten. Jeder Spieler hat vier davon, nummeriert von 1 bis 4, und die legen wir nacheinander und reihum an eine Auslage von 25 Gebäuden. Die Position des Architekten bestimmt, auf welche Reihe oder Spalte wir zugreifen, seine Nummer, welches Plättchen darin wir an uns nehmen dürfen. Danach legen wir das Plättchen auf unseren 4×4 Spielplan, und zwar so, dass Zeile oder Spalte mit der Nummer des Architekten übereinstimmen.

Weil das eigentlich simpel, aber blöd zu beschreiben ist, hier mal eine schnelle Skizze mit Beispielmöglichkeiten für einen Architekten Nummer 4:

img283
Die roten Felder sind vom Verwalter blockiert, der wandert immer auf das zuletzt leergekaufte Feld. Ein paar weitere von den anderen Architekten. Die gelben Positionen sind alle möglich. Dann werden vom Anlegeplatz aus vier Schritte gezählt, dieses Gebäude (grün) darf man nehmen und in Reihe/Spalte 4 des eigenen Plans legen (auch grün).

 

Haben alle Spieler ihre vier Architekten gelegt, endet die Runde, und es kommen 25 neue Gebäude ins Spiel. Dieser Ablauf vollzieht sich insgesamt viermal, dann wird unsere Stadt gewertet. Dabei gibt es, ähnlich wie in Between two Cities, diverse Siegpunktbedingungen: Parks werten benachbarte Wohnhäuser, Häfen wollen nebeneinander liegen und so weiter.

Außerdem gibt es noch zwei Rohstoffe, Einwohner und Energie. Manche Gebäude bringen Menschen mit, aber wollen Strom, bei anderen ist es andersrum. Hat man nicht genug Rohstoffe, zählen die unbesetzten Gebäude nicht, hat man zu viele, gibt es Minuspunkte. Und man darf Wohnhäuser zu Hochhäusern stapeln. Sonst noch was? Eine Expertenversion gibt es noch, mit schwierigerem Stadtaufbau und einer zusätzlichen, fünften Spielrunde.


Macht das Spaß?

So halb. Jein. Fans von Quadropolis, die ihr nur eure Meinung bestätigt haben wollt, macht euch auf was gefasst, unqualifiziertes Gemecker incoming. 😉

Zunächst einmal hat es eine nicht unerhebliche Downtime. Man kann seinen eigenen Zug erst planen, wenn man an der Reihe ist, weil die anderen Spieler mit ihren Architekten Anlegeplätze blockieren und den Verwalter rumschieben. Man kann zwar überlegen, welches Gebäude man gerne hätte, aber oft genug ist es halt weg oder unerreichbar. Nicht zuletzt deshalb dauert es gefühlt doppelt so lange, wie es sollte. Auch ist es ein wenig lästig, dass man am Ende jedes Durchgangs Plättchen abräumen, rauskramen, mischen und auslegen muss, denn die sind nach Runden vorsortiert, vermutlich damit nicht etwa 20 Kraftwerke auf einmal ausliegen. Macht Sinn, verstehe ich, schmeckt mir trotzdem nicht. Sehr viel Aufwand für sehr wenig Spiel.

Der Grundmechanismus funktioniert tadellos, spielt sich aber seltsam: Zu Beginn einer Runde herrscht eine gewisse Analysis Paralysis, weil man „den besten Zug“ sucht, falls es sowas überhaupt gibt. Am Ende der Runde ist es dann eher „nur noch der Platz ist frei, dann geh ich halt hier hin“, ich bin also mehr oder weniger geführt. Mein Unwohlsein entsteht wohl dadurch, dass mir der Mechanismus etwas zu restriktiv ist: Nicht nur ist die Auswahl der Gebäude stark reglementiert – passendes Angebot, freier Platz, passender Architekt, kein Verwalter in der Nähe -, auch auf meinem eigenen Plan bin ich festgelegt und habe zusätzlich natürlich immer weniger Grundstücke zur Auswahl.

Na gut, dann nehme ich halt Gebäude und baue sie an, entsprechend den Siegpunktevorgaben und im Rahmen meiner Möglichkeiten. Dabei ist aber schwer abzuschätzen, ob ich mich gut schlage. Weder gibt es irgendwelche Anhaltspunkte wie eine Siegpunktleiste, noch kann man ernsthaft drei andere Städte im Auge behalten, ohne dass die Spielzeit ins Absurde eskaliert. Ich spiele also ziemlich planlos vor mich hin. Und am Ende unseres Testspiels hatten wir zwar alle „sinnvolle“ Städte gebaut, aber dennoch lagen immens viele Punkte zwischen den Kontrahenten. Vor dem Zählen hätte keiner sagen können, wer gewinnt.


 

Wertung

Es funktioniert, aber ich fand es nicht allzu interessant und vor allem viel zu lang.

Ich würde jederzeit Between two Cities vorziehen, das hat dasselbe Thema und ähnliche Spielziele, ist aber mit genau Null Downtime und Drafting statt restriktivem, grüblerischem Architekten platzieren wesentlich flotter runtergespielt. Außerdem ist es viel interaktiver, in Quadropolis spielt jeder solitär vor sich hin.

Eine 5/10 für mich, ein funktionierendes Spiel in hübscher Aufmachung, aber es übt auf mich sehr, sehr wenig Wiederspielreiz aus.

 

 

Advertisements

4 Gedanken zu “Angespielt – Quadropolis

  1. Schön, daß sich mein erster Eindruck aus der Ferne weiterhin bestätigt. Ich danke Dir sehr für diese äußerst aufschlussreiche Rezension.
    (Erlaube mir bitte, bitte, bitte anzumerken: es heißt „während des Spiels“ – ‚wegen dem… ‚ lasse ich ja inzwischen unkommentiert, da selbst Lehrer inzwischen so sprechen, aber ‚während dem‘ geht wirklich gar nicht.)

    Gefällt 1 Person

  2. Der Hype um dieses Spiel hat mich sehr verwundert, da nach Regelstudium und Let`s Play Videos kein großer Spielreiz für mich zu erkennen war. Muss am Namen „Days of Wonder“ liegen, die ja wirklich schöne und gute Spiele in der Vergangenheit produziert haben. Aber dieses Spiel sieht ja noch nicht einmal gut aus…

    Danke daher für die Rezi, die sich nicht vom Hype blenden lässt und auch Alternativen benennt.

    Gefällt 1 Person

    • Es ist ja kein schlechtes Spiel, und der Mechanismus ist schon interessant (ich verstehe zumindest, warum es einen Autorenwettbewerb gewinnen konnte). Es machte mir persönlich nur absolut keinen Spaß, und dann kann ich’s auch lassen. 😉

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s