Angespielt – Von Drachen und Schafen

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Sind sie nicht niedlich?

In Von Drachen und Schafen sammeln wir als Drachen doppelseitige Karten. Die Schafe auf der Rückseite bezahlen farblich passende Schätze, ihre Vorderseiten nutzen wir, um die Mitspieler mit diversen Aktionen zu ärgern.


Wie funktioniert es?

Reihum ziehen wir Karten auf die Hand, entweder vom Nachziehstapel oder von einer kleinen Auslage, der Schafsweide. Dann dürfen wir, abhängig davon, was wir auf der Hand halten einen Schatz bezahlen und/oder eine Aktionskarte spielen.

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Schätze wollen in Schafen bezahlt werden. Die Truhe ganz links kostet mich zum Beispiel zwei gelbe und zwei beliebige andere Schafe, ich schaue also auf meine Kartenrückseiten, zähle ab, ob ich genug Schafe habe, werfe diese ab und erhalte dann fünf Siegpunkte. Das Spiel endet, sobald eine gewisse Anzahl Schätze ausliegt, dann werden die Punkte gezählt.

Diese Karten machen gefühlt die Hälfte des Nachziehstapels aus, der Rest besteht aus Aktionen, die man sich gegenseitig um die Ohren haut:

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  • Dieb: Klaue jemandem zwei Karten
  • wütender Mob: alle Mitspieler müssen die Hälfte ihrer Karten abwerfen
  • Hirtin: ziehe 2 Karten
  • Ritter: Lass jemanden einen Zug aussetzen
  • Drache: wehre eine gegen dich gerichtete Aktion ab
  • Zauberer: zusammen mit einer Aktion spielen, um sie unabwehrbar zu machen
  • Einhorn: Du bist eine Runde lang unverwundbar.
  • Superschaf: Joker.

Niedliches Detail: Es gibt eh schon nur diese paar Aktionen, die kann man sich auch einfach so merken, nachdem man die kurze Spielregel gelesen hat. Dann steht ihre Wirkung auch noch in Kurzfassung auf den Karten selbst. Und dann erhält jeder Spieler obendrauf noch eine Übersichtskarte, auf der alle Aktionen ein weiteres Mal beschrieben sind. Da hält uns wohl jemand für besonders doof… 😉


Wie fühlt sich das an?

Ich wollte das Spiel wirklich mögen. Die Artworks sind so großartig, bis auf das albern kitschige Einhorn, die Idee an sich klingt lustig, die Artworks sind großartig, es sieht nach einem netten Filler aus, die Artworks sind großartig… aber…

I. Das Spiel dauert viel zu lange.

Dafür, dass wir eigentlich nicht allzu viel machen, zieht es sich ganz schön hin.

Die Schätze scheinen im Schnitt ungefähr vier Schafe zu kosten, plus ein weiteres, weil der Schatz selbst ein Schaf auf der Rückseite hat, ich bekomme aber nur drei Karten pro Runde und muss neun Schätze sammeln.

Das ergibt eine ungefähre Mindestdauer von 15 Runden, …

  • wenn ich niemals Karten durch Diebe und wütende Mobs verliere.
  • wenn ich niemals einen Ritter abbekomme.
  • wenn ich selbst keine einzige Aktion spiele.
  • wenn ich immer Schafe der passenden Farbe halte, um einen Schatz zu bezahlen.
  • wenn ich immer Schätze auf der Hand halte, was nicht unbedingt gegeben ist, spätestens nach dem ersten Durchlauf des Nachziehstapels sind viele Schätze bereits aussortiert.

Schon diese 15 Runden wären lang für ein Spiel aus der Kategorie für zwischendurch, aber es dauert halt eher doppelt bis dreimal so lange. Und für eine knappe Stunde ist es zu repetitiv und inhaltsarm.

II. Die Grundmechanik wirkt halbgar.

Dass man jede Karte entweder zum Bezahlen oder für Aktionen nutzen kann, erscheint auf den ersten Blick toll, aber die Umsetzung im Spiel konnte uns so gar nicht überzeugen.

Vor allem verleidet es die Aktionen. Am besten erscheinen noch Hirtin und Dieb, weil sie zwei Karten einbringen, aber netto ist das auch wieder nur ein Schaf, weil die Hirtin selbst ein Schaf auf der Rückseite hat, das man damit aufgibt.

Der Rest erschien uns völlig nutzlos. Wer zahlt denn zwei Schafe, um eine eh schon fragwürdig tolle Aktion durch einen Zauberer zu verstärken? Wer zahlt einen Drachen, verliert also ein Schaf, um zu verhindern, das jemand anders ein Netto-Schaf bekommt?

Als Gegenbeispiel: In Dominion ist das getrennt, wir filtern unseren Kartenstapel mit Aktionen, bis wir genug Geldkarten haben, um Siegpunkte zu kaufen. Aber die Aktionen an sich kosten nur einmalig Geld, danach sind sie immer umsonst, und fühlen sich damit wesentlich befriedigender an.

Das Spiel bietet so schon nicht besonders viel Action, wenn dann auch noch keiner mehr Lust hat, die Aktionen zu verwenden, wird es zu einem langweiligen glückslastigen Wettrennen um die Schätze.

III. Der Ritter ist ein No Go.

Wer kommt heutzutage noch auf die Idee, dass Aussetzen lassen erstrebenswertes Spieldesign ist? Setz dich an den Tisch, um nicht zu spielen. Hört sich das gut an?

Klar, die Züge selbst dauern nicht allzu lang, man ist also doch irgendwann wieder dran, aber trotzdem, sowas nervt.

Überhaupt kamen die Aktionen bei uns nicht so recht an, sie wirken etwas einfallslos in ihrer „Nimm das!“-Mentalität.

IV. Es fehlt der Spannungsbogen.

Wir machen immer das gleiche, Karten ziehen, ausspielen, nächster. Es gibt kein engine building, wir werden also nicht mächtiger: Man kann sich prinzipiell in Runde 1 dieselben Schätze leisten wie in Runde 17, und auch das wird fast ausschließlich über das Kartenglück bestimmt.

Die Karten wandern eintönig im Kreis herum, Nachziehstapel, Hand, Ablagestapel, aber ohne irgendeinen Kniff oder einen Hauch von Strategie und Einfluss.

Und irgendwann ist es halt vorbei, weil jemand genug Schätze hat. Interessant. Nicht.

Das wäre ok, wenn Von Drachen und Schafen nur zehn Minuten dauern würde, aber es dauert eben keine zehn Minuten. In der Zeit kann ich eine volle Runde Isle of Skye spielen.


Bewertung

Einen Punkt für die grundsätzliche Idee mit den Rückseiten, auch wenn ich ihre Umsetzung nicht mag. Einen weiteren für die einfachen Regeln, das Spiel ist sicher gut zugänglich. Drei Punkte für die süßen Schafe und toll gezeichneten Schätze, ein Minuspunkt für das kitschige Einhorn. Macht 4/10.

Ich kann mir vorstellen, dass Von Drachen und Schafen in gewissen Runden Spaß machen kann, und wenn alle Stricke reißen, spiele ich es vielleicht auch mal wieder mit. Aber ich selbst werde es wohl erstmal nicht mehr auf den Tisch bringen.

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